Hi, schön, dass du wieder reinhörst. Da wir das in der letzten Folge schon angerissen hatten und ich dazu einige Nachrichten erhalten habe, möchte ich mit dir diesmal über etwas sprechen, das mir in fast jedem ersten Gespräch begegnet. Es geht um Laboranalysen. Vor allem darum, warum so viele Frauen an der falschen Stelle hinschauen, an der falschen Stelle sparen und an der falschen Stelle vertrauen.
Stell dir mal kurz eine Szene vor: Eine Frau ist mit mir im ersten Termin. Wir sehen uns über den Bildschirm, denn meine Beratung läuft ja komplett online. Sie hat einen langen Leidensweg hinter sich. Sie isst seit Jahren so, wie sie denkt, dass es gesund ist. Sie hat Bücher gelesen, sie hat das Internet durchforstet.
Sie nimmt jeden Morgen eine Handvoll Kapseln. Magnesium, Vitamin D, B-Komplex, Omega 3, manchmal Eisen, manchmal Selen, manchmal etwas, dessen Namen sie selbst nicht mehr weiß. Es scheint aber nicht so wirklich zu helfen.
Und dann erzählt sie mir von ihrem letzten Blutbild beim Hausarzt. Ein paar Werte sind angekreuzt, daneben steht in Druckbuchstaben „alles in Ordnung“. Genau dieses Bild möchte ich mit dir diesmal auseinandernehmen.
Denn ich erlebe es so oft, dass das ganze Thema falsch angegangen wird, und dann wundern sie sich, warum sich eigentlich nichts ändert.
Der Auftrag deines Hausarztes bei der Blutuntersuchung
Fangen wir bei dem Blutbild an, das die meisten kennen. Wenn du in Deutschland zum Hausarzt gehst und dort Blut abnehmen lässt, dann hat dein Arzt einen klaren Auftrag. Er soll Krankheiten feststellen, er soll Diagnosen stellen, er soll behandeln.
Das steht sogar im Gesetz. Und dort steht auch, die Leistungen müssen notwendig, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Übersetzt heißt das: Die Kasse zahlt das, was nötig ist, um eine Krankheit zu erkennen oder zu behandeln. Nicht mehr, nicht weniger. Prävention im echten Sinn ist da gar nicht vorgesehen.
Optimale Werte sind da auch nicht vorgesehen. Eine Versorgung deines Körpers mit Nährstoffen, damit du vielleicht in der Zukunft gar nicht erst krank wirst, ist da gar nicht vorgesehen. Das ist nicht böse gemeint, das ist einfach das Spielfeld, auf dem dein Arzt arbeitet. Und das Spielfeld erkennst du an den Referenzbereichen auf deinem Laborzettel.
Warum Referenzbereiche nicht das zeigen, was du wirklich brauchst
Ich hatte das in der letzten Folge schon anklingen lassen. Diese Referenzbereiche sind keine Wunschwerte, sie sind statistische Werte. Vereinfacht gesagt: Man hat ganz viele Menschen getestet und schaut sich an, wo der Großteil liegt. Grob gesagt landen siebenundneunzig Prozent im sogenannten Normbereich. Erst die untersten und die obersten paar Prozent gelten als auffällig.
Das klingt erst mal sehr sinnvoll, bis du verstehst, was das in der Praxis bedeutet. Es bedeutet: Solange du nicht zu den drei Prozent gehörst, die richtig stark abweichen, bist du auf dem Papier in Ordnung. Auch wenn du dich seit Jahren schlapp fühlst, auch wenn dir die Haare ausgehen, auch wenn du Konzentrationsprobleme hast, auch wenn dein Schlaf dich gar nicht mehr fit macht.
Und es bedeutet noch etwas: Je schlechter die durchschnittliche Versorgung in einer Bevölkerung wird, desto weiter rutschen diese Normbereiche nach unten. Was vor 20 Jahren als niedrig galt, gilt heute als normal. Das ist echt heftig.
Du wirst also an einer Gesellschaft gemessen, die selbst nicht in Topform ist.
Welche wichtigen Blutwerte dein Blutbild gar nicht enthält
Dazu kommt: Viele Werte, die für deine Energie, deine Hormone, deine Zellgesundheit wirklich entscheidend sind, stehen gar nicht auf dem Kassenrezept. Die kosten die Kasse Geld, ohne dass sie eine Krankheit dahinter sieht. Also werden sie schlicht nicht erhoben. Wenn du sie privat machen lässt, bezahlst du sie selbst.
Die Preise dafür sind in der Gebührenordnung für Ärzte festgelegt. Da kommt ganz schnell ein dreistelliger Betrag zusammen, je nachdem, was du wirklich wissen willst.
Wenn du das einmal verstanden hast, sieht dein Standardblutbild beim Hausarzt plötzlich ganz anders aus. Es ist nicht falsch, es zeigt einfach nur einen sehr, sehr kleinen Ausschnitt, und dein Arzt schaut ihn aus der Perspektive „Bist du krank oder noch nicht?“ an. Es geht nie darum, ob dein Körper gut versorgt ist.
Der erste Denkfehler: Sich mit Nahrungsergänzung zuschütten
Wenn dieser Ausschnitt das Einzige ist, was Frauen in der Hand haben, dann passieren typischerweise drei Dinge, die höre ich auch fast in jedem Gespräch. Denkfehler eins: Sich mit Nahrungsergänzung zuschütten. Eine Frau merkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie ist müde und gereizt, der Bauch macht Theater, sie geht ins Internet, sie liest einen Beitrag bei Instagram, sie hört einen Podcast, und dann fängt sie an zu kaufen.
Magnesium für die Nerven, Vitamin D für die Stimmung, Eisen für die Energie, Ashwagandha, weil’s grad alle nehmen. Sie weiß nicht, ob sie es überhaupt braucht. Sie weiß nicht, in welcher Form. Sie weiß nicht, in welcher Menge. Sie weiß nicht, was sich gegenseitig blockiert. Sie weiß nicht, was bei ihrem Stoffwechsel überhaupt ankommt. Sie weiß nichts über die Qualität des Produkts. Sie hofft einfach, dass es irgendwas Gutes tut.
Das Ergebnis ist meistens ein voller Schrank, ein leeres Konto und eine Frau, die immer noch müde ist, manchmal sogar müder als vorher, weil sich Wirkstoffe gegenseitig im Weg stehen oder ein Nährstoff im Körper zu hochgeht, weil er mangels Begleitstoffen gar nicht verstoffwechselt werden kann.
Nahrungsergänzungen sind nicht das Problem. Das Problem ist, sie ohne Plan einzunehmen. Du würdest ja auch nicht zum Baumarkt fahren, dir wahllos Werkzeug kaufen und hoffen, dass du daraus ein Haus bauen kannst.
Der zweite Denkfehler: Blutbild in Ordnung gleich gesund
Denkfehler zwei: „Mein Blutbild beim Arzt ist in Ordnung, also bin ich gesund.“ Ja, diesen Satz liebe ich ja, den höre ich auch ständig.
Manchmal kommt der Satz mit Erleichterung, sehr oft kommt er auch mit Trotz und bei den Menschen, die zu mir kommen, manchmal mit ein bisschen Verzweiflung. Du weißt jetzt, warum dieser Satz so trügerisch sein kann. Dein Standardblutbild zeigt, ob du nach den Maßstäben der Kassenmedizin krank bist oder nicht. Es zeigt nicht, ob dein Körper das hat, was er braucht, um dich morgens frisch aus dem Bett hüpfen zu lassen.
Wenn dein Körper Mangel verwaltet, dann tut er das oft lange, super lange, ohne dass eine Diagnose draus wird. Er kompensiert, er verschiebt, er nimmt sich, was er braucht, aus anderen Bereichen, bis irgendwann das System ins Wanken gerät.
Der Körper ist wirklich ein Wunderwerk. Es ist Wahnsinn, was er alles kompensiert. Und genau in dieser Zwischenzone leben unglaublich viele Frauen: auf dem Papier gesund, aber im Alltag total platt. Und dann sagt der Arzt: „Da ist nichts. Vielleicht brauchen Sie einfach mal Urlaub.“ Das ist eine Lücke im System und daran wird sich auch nichts ändern.
Der dritte Denkfehler: Den Tunnelblick auf einzelne Werte
Denkfehler drei: Den Tunnelblick einbauen. Das ist der dritte Klassiker. Eine Frau ahnt, dass irgendwas mit dem Darm nicht stimmt, also macht sie eine Darmanalyse, sie bekommt ein Ergebnis, sieht ein paar Bakterien, die fehlen, und kauft Probiotika, vielleicht noch Präbiotika, und denkt: „Erledigt.“ Aber ganz ehrlich, der Darm ist ja nicht nur ein Bakterienzoo.
Die Darmschleimhaut braucht Bausteine, Eiweiß, bestimmte Aminosäuren, Zink, Vitamin A, B-Vitamine. Sie braucht eine intakte Leber im Hintergrund. Sie braucht ein Nervensystem, das nicht ständig auf Alarm steht. Sie braucht Schlaf, in dem sich Gewebe regeneriert. Wenn du also nur auf die Bakterien schaust und alles andere ausblendest, dann sanierst du eine Wohnung, in der das Dach undicht ist.
Du putzt schön, stellst neue Möbel auf und dann tropft es weiter rein. Was ich dir damit sagen will: Eine einzelne Analyse, isoliert betrachtet, führt fast immer in die Sackgasse, weil dein Körper kein Baukasten ist, in dem ein Teil unabhängig vom Rest funktioniert.
KI-Analysen als Ersatz für professionelle Beratung
Neben diesen drei Denkfehlern kommt jetzt noch was dazu, das es ja vor ein paar Jahren so nicht gab. Immer mehr Frauen sammeln auf eigene Faust ein paar Werte zusammen und schicken sie an eine KI und lassen sich das Ergebnis erklären. Ich finde das immer total knuffig, weil die erzählen mir das dann ja auch, wenn sie zu mir kommen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Und ganz ehrlich, ich finde es großartig, dass Menschen mehr wissen wollen. Wirklich.
Aber lass uns mal ehrlich sein, was da passiert. Eine KI ist ja jetzt kein Mensch, offensichtlich, der dich ansieht. Sie ist kein Mensch, der deine Geschichte kennt. Sie ist kein Mensch, der zwischen den Zeilen liest und merkt: „Hm, diese Frau lebt seit zwei Jahren in Dauerstress, bemerkt es aber selbst gar nicht. Sie hat einen Zyklus, der völlig aus dem Takt ist. Sie hatte vor drei Jahren eine Operation, die vielleicht immer noch nachwirkt.“ Ja, eine KI antwortet einfach auf das, was du eingibst, nicht mehr.
Wenn du die Fragen falsch stellst, bekommst du eine glatte, plausible, gut formulierte Antwort, die sich für dich wahrscheinlich richtig gut liest, die aber trotzdem an deinem eigentlichen Thema vorbeigeht.
Sie erkennt nicht, was du nicht weißt. Sie fragt nicht zurück, was du übersehen hast. Sie kennt deinen Kontext nicht. Sie kennt deinen Körper nicht. Sie kennt nicht den Blick einer Beraterin, die schon 100 ähnliche Fälle gesehen hat und genau weiß, wo sie als Nächstes mal hinschauen muss. Eine KI ist ein Werkzeug mit Trainingsdaten aus dem Internet trainiert.
Also, was ist die Trainingsgrundlage? Das kannst du dir jetzt hoffentlich denken. Sie ersetzt natürlich nicht ein erfahrenes Auge, genauso wenig wie ein Kochbuch eine erfahrene Köchin ersetzt.
Das teuerste Sparen: Falscher Umgang mit der eigenen Gesundheit
Und der Punkt, der mich dann wirklich auch immer wieder beschäftigt, ist dann im Anschluss dieses Sparen am falschen Ende. Die meisten Frauen, die so unterwegs sind, sparen ausgerechnet da, wo es sich um sie selbst dreht. Sie fahren in den Urlaub, sie kaufen ein neues Handy, neue Klamotten, Kosmetik. Sie haben Abos, von denen sie selbst nicht mehr genau wissen, was eigentlich monatlich abgebucht wird. Sie geben Geld aus für Dinge, die schön sind, die Spaß machen, die das Leben angenehmer machen.
Alles legitim, natürlich. Aber wenn es dann um die eigene Gesundheit geht, dann wird’s eng. Dann wird der Hausarztzettel zur einzigen Wahrheit. Dann werden im Zweifelsfall Nahrungsergänzungen im Discounter gekauft, in der billigsten Form, ohne zu wissen, ob der Körper das überhaupt aufnehmen kann. Wenn überhaupt werden Tests selbst zusammengestellt, dann wird auf das Ampelsystem geschaut, weil ein strukturierter Blick von außen natürlich zu teuer ist.
Und der Kracher ist: Diese Frauen machen ja am Ende sogar Labortests. Sie geben Geld aus, nur eben für die falschen Tests, für etwas, das ein Influencer auf Social Media empfohlen hat. Also sie sparen ja am Ende nicht wirklich. Sie verlagern nur die Kosten. Die Tests, die nichts gebracht haben, die Kapseln, die im Schrank liegen, die Zeit, die ins Recherchieren geht, die Energie, die das alles kostet, und vor allem die Jahre, in denen sie weiter platt, schlapp und frustriert durchs Leben gehen.
Das ist das eigentlich Teure an dieser Form des Sparens. Ja, es wäre wirklich lustig, wenn es nicht so traurig wäre.
Wie ich meine Gesundheit anders betrachte
Ich sehe das alles völlig anders und dafür bin ich auch dankbar. Das hat mich ja auch gesundheitlich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin. Und wenn ich mir mal allein die Schicksalsschläge und Dauerklatschen anschaue, die ich in den letzten zwei Jahren einstecken musste, wäre ich ohne all das vermutlich jetzt ein Wrack.
Zum Glück schaue ich nicht wie ein Arzt nach einer Krankheit oder einer Diagnose. Das interessiert mich auch gar nicht. Das ist seine Aufgabe, die ist wichtig, dafür ist er da, aber das ist ja nicht meine. Ich schaue nach Nährstoffen, die im Körper fehlen, damit der Körper sich selbst regulieren kann. Das ist ein ganz anderer Blick.
Mein Blick ist nicht: „Was ist krank?“ Mein Blick ist: „Was braucht dein Körper, um wieder das zu tun, was er von Natur aus tut?“ Also sich selbst regulieren, sich selbst reparieren, sich selbst stabilisieren. Dafür schaue ich mir nicht einen Wert an, auch nicht fünf. Ich schaue mir das Zusammenspiel von ganz vielen Werten an.
Was läuft im Stoffwechsel? Wie steht es um die Mikronährstoffe? Wie gut nimmt der Darm überhaupt die Nährstoffe auf? Was sagt die Schilddrüse? Wie steht es um die Versorgung über die Jahre, nicht nur in der Momentaufnahme einer Blutabnahme? Und ich setze das dann in den Kontext, in dem du tatsächlich lebst: Dein Alltag, Stress, die Familiensituation, deine Geschichte, deine Ziele.
Mein Ansatz bei der Gesundheitsberatung
Genauso arbeite ich in meinem Workshop und in meiner Begleitung. Wir schauen gemeinsam, was wirklich nötig ist. Wir schauen, wo dein Körper Hebel hat, an denen sich etwas bewegt. Wo Muster feststecken. Und wir gehen sie dann auch an, in deiner Geschwindigkeit, aber konsequent.
Und das ist nichts für jeden. Da bin ich auch ganz ehrlich. Das ist etwas für dich, wenn du wirklich genau hinschauen willst. Nicht oberflächlich, nicht mal eben kurz, sondern wirklich. Wenn es dich wirklich interessiert. So ging es mir ja auch, sonst hätte ich das ja alles gar nicht gemacht.
Das ist etwas für dich, wenn du Lust hast, an den richtigen Hebeln anzusetzen. Auch wenn das bedeutet, dass du dich vielleicht von ein paar Gewohnheiten verabschiedest, die dir nicht mehr dienen. Das ist etwas für dich, wenn du bereit bist, in dich zu investieren: mit Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit den finanziellen Mitteln, die eine Neuausrichtung und Versorgung nun mal verbrauchen.
Und es ist ausdrücklich nichts für dich, wenn du dir vor allem eine Bestätigung wünschst, dass alles weitergehen kann wie bisher. Wenn du eine Tablette suchst, die dich heilt, ohne dass sich sonst etwas ändern muss, wenn du auf den nächsten Trend wartest, der ohne dein Zutun funktioniert. Den gibt es nicht und ich werde auch nicht müde, dir das zu sagen.
Denn du kannst wirklich alles ändern, was du willst, und wer das will, der schaut auch wirklich hin. Ich hätte gar nicht weggucken können. Mir war es zu wichtig und meine Kundinnen schauen auch nicht weg.
Das Fazit: Blutwerte verstehen und richtig interpretieren
Wenn du nach dieser Folge das Gefühl hast: „Genau da stehe ich gerade. Ich schaue auf einen Zettel, auf dem alles in Ordnung ist, aber in mir fühlt sich nichts in Ordnung an.“ Dann habe ich jetzt mein Ziel erreicht.
Du hast jetzt ein anderes Bild davon, was dein Hausarztblutbild eigentlich zeigt und was nicht. Du weißt, warum es nicht reicht, einfach Nahrungsergänzung draufzulegen. Du weißt, warum ein einzelner Test isoliert betrachtet fast immer in die falsche Richtung führt. Und du weißt, warum eine KI niemals die Fragen stellen wird, die wirklich entscheidend sind.
Damit kannst du ab heute anders auf deinen eigenen Körper schauen, und das war mir wichtig. Und damit sage ich Tschüss. Wir hören uns in der nächsten Folge.


