Schädigt Eiweiß die Nieren? Der große Mythos-Check

Schädigt Eiweiß die Nieren? Der Mythos hält sich seit Jahrzehnten, doch die Forschung zeigt das Gegenteil. Zu wenig Eiweiß bringt deinen Körper in einen gefährlichen Abbauzustand. Warum ausreichend Protein deine echte Lösung ist.

Transkript der Folge 129

Hey, schön, dass du wieder reinhörst. Alle Kundinnen von mir essen mittlerweile richtig viel Eiweiß. Nicht, weil ich ihnen das irgendwie eingetrichtert habe, sondern weil sie gemerkt haben, was es mit ihnen macht, mit ihrer Energie, mit ihrem Körper. Sie fühlen sich besser, sie schleppen sich nicht mehr durch den Tag, sie haben wieder Kraft für die Dinge, an denen sie Freude haben. Natürlich liegt das nicht am Eiweiß allein, aber das ist einer der wichtigsten Grundpfeiler.

Eine Kundin sagte diese Woche zu mir, dass sie das natürlich weitererzählt. In der Familie, bei Bekannten, bei allen, die fragen, was bei ihr jetzt anders ist. Und fast jedes Mal kommt der gleiche Satz zurück: „Aber so viel Eiweiß, das ist doch schlecht für die Nieren.“ Ich kenne auch noch diese Varianten, die häufig direkt danach kommen: „Mein Arzt hat mir das auch mal gesagt.“ Oder: „Ich habe gelesen, dass das die Nieren überlastet.“ Diese Diskussion hatte ich vor zwei Jahren mit einem jungen Medizinstudenten. Der hat mich später als irre bezeichnet, weil er es ja völlig anders gelernt hat. So weit kann es also gehen.

Der hartnäckige Mythos um Eiweiß und Nieren

Und ich verstehe diesen Reflex wirklich, denn dieser Satz hält sich so hartnäckig wie kaum ein anderer im Gesundheitsbereich. Er klingt ja auch vernünftig. Er kommt aus der Medizin. Und wie immer, wenn man etwas nur oft genug wiederholt, dann glaubt es jeder, ohne überhaupt mal nachzufragen. Also fragen wir doch jetzt einfach mal nach.

Woher kommt der Glaube, dass Eiweiß die Nieren schädigt?

Woher kommt denn dieser Glaube überhaupt? Das Ganze hat tatsächlich eine sehr lange Geschichte. Also vor Jahrzehnten gab es Menschen mit schweren Nierenproblemen, also Menschen, deren Nieren bereits ernsthaft krank waren. Denen hat man weniger Eiweiß empfohlen, weil bestimmte Werte im Labor danach besser aussahen. Das Problem daran ist: Daraus wurde irgendwann eine allgemeine Regel für alle. Die Aussage „Weniger Eiweiß schont die Nieren“ wanderte aus der Medizin in die Allgemeinheit, von Arzt zu Patient, von Mutter zu Tochter, von Generation zu Generation. Leider ist dabei etwas verloren gegangen.

Die Forschung hat längst gezeigt, dass dieser Ansatz selbst bei Nierenkranken oft kontraproduktiv war. Denn wenn Werte besser aussehen, heißt das ja noch lange nicht, dass es dem Menschen besser geht. Manchmal war das Gegenteil der Fall. Also die Zahlen wurden schöner, aber der Körper wurde schwächer. Für gesunde Menschen hat diese Empfehlung übrigens noch nie gegolten, absolut nie. Das hat man nur irgendwie scheinbar unterwegs vergessen.

Warum Ärzte diese veraltete Information weitergeben

Und wenn ich dann an der Stelle höre: „Aber mein Arzt hat das doch selbst gesagt„, ja, das glaube ich dir. Viele Ärzte geben diese Information immer noch weiter, weil sie es so gelernt haben. Selbst junge Mediziner, wie du siehst. Das macht sie ja nicht zu schlechten Ärzten, aber es zeigt, wie lange sich Überzeugungen und Sachen, die einmal im Kopf verankert sind, halten können, auch wenn die Wissenschaft längst weiter ist. Und wie weit manchmal das, was im Studium vermittelt wird, hinter dem aktuellen Stand hinterherhinkt.

Was passiert wirklich mit Eiweiß in deinem Körper?

Also, was passiert wirklich in deinem Körper? Wenn Menschen sagen, Eiweiß belastet die Nieren, meinen sie eigentlich, Eiweiß wird zu Harnsäure abgebaut. Das ist der Wert, der im Labor gemessen wird. Und Harnsäure, das wissen viele, kann Probleme machen. Das klingt also logisch, ist aber falsch.

Eiweiß aus der Nahrung, also aus Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten oder Proteinpulver, wird dem Körper auf einem ganz anderen Weg verarbeitet. Es wird nicht zu Harnsäure. Null Prozent, das ist biologisch schlicht nicht möglich. Harnsäure entsteht auf einem ganz anderen Weg. Nämlich dann, wenn der Körper eigene Zellen abbaut. Zum Beispiel beim Fasten, beim Muskelabbau oder auch bei Gelenkabbau. Auch bestimmte Lebensmittel können dazu beitragen. Das sind dann vor allem solche, die viele sogenannte Purinstoffe enthalten. Also zum Beispiel Innereien oder auch Spargel. Bei all diesen Prozessen entstehen Abbauprodukte und eines davon ist Harnsäure.

Die Körper-Fabrik-Analogie: Ausreichend Baumaterial ist entscheidend

Stell dir vor, dein Körper ist eine Fabrik. Wenn du ihr Baumaterial lieferst, also ausreichend Eiweiß, läuft sie ganz ruhig und stabil. Wenn du ihr das Baumaterial entziehst, dann fängt sie quasi an, ihre eigenen Maschinen zu zerlegen, um irgendwie an Schrauben und andere Teile zu kommen, nur um weitermachen zu können. Genau dieser Zerlegungsprozess erzeugt den ganzen Ballast, den die Nieren dann verarbeiten müssen.

Eiweiß ist also nicht das Problem. Zu wenig Eiweiß kann es aber sein. Studien zeigen ganz klar: Je besser die Eiweißversorgung im Körper ist, desto niedriger ist die Harnsäure. Eiweiß hilft dem Körper sogar dabei, Harnsäure besser abzubauen und auszuscheiden. Wer also zu wenig isst, riskiert paradoxerweise höhere Werte. Erhöhte Harnsäurewerte liegen häufig an Eiweißmangel, nicht an einem Überschuss. Und ja, vielleicht klingt das kontraintuitiv, aber das ist genau das, was die Forschung zeigt und was ich auch in allen Blutanalysen, die ich mir angeschaut habe, immer wieder sehe.

Der gefährliche Kreislauf: Angst vor Eiweiß bei Frauen

Die Angst vor Eiweiß führt bei vielen Frauen dazu, dass sie genau das vom Plan streichen, was ihrem Körper helfen würde. Und ehrlich gesagt: noch schlimmer finde ich es, wenn es dann um Babys oder Kleinkinder geht. Da bekomme ich echt Angst.

Aber lass uns noch den Bogen schlagen, warum das für Frauen mit Schilddrüsen-Themen besonders wichtig ist. Du weißt ja, ich arbeite hauptsächlich mit Frauen, die unter Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion leiden, die kaum noch Energie haben. Und ein Muster sehe ich immer wieder: Da ist zum Beispiel eine Frau, Mitte 40, sie ist seit Jahren „gesund“, wie sie sagt. Gut, das höre ich ja immer. Viel Gemüse, wenig Fleisch, möglichst wenig Belastendes. Sie hat Angst, zu viel zu essen, zu viel Eiweiß, zu viel Salz. Sie versucht, ihrem Körper gar nichts zuzumuten. Trotzdem ist sie erschöpft, die Haare werden dünner, der Kopf ist träge, sie friert, obwohl es gar nicht kalt ist.

Eiweißmangel bei Hashimoto und Schilddrüsenerkrankungen

Und wenn ich mir dann anschaue, was sie isst, ist das Erste, was ich sehe: Sie isst dramatisch zu wenig Eiweiß. Und das ist kein Einzelfall, das ist ein Muster. Wenn der Körper dauerhaft unter Stress steht, und das gilt auch für diesen stillen, unsichtbaren Stress einer Erkrankung wie Hashimoto, schüttet er Stresshormone aus. Das ist ja erstmal nur ein Schutzmechanismus. Aber wenn diese Hormone dauerhaft erhöht sind, beginnt der Körper sich selbst abzubauen. Er greift Muskeln an, er greift Gewebe an, er zapft seine eigenen Reserven an, um irgendwie Energie zu erzeugen. Kommt dir bekannt vor, oder?

Und genau bei diesem Abbau entstehen Stoffe, die der Körper wieder loswerden muss. Die Nieren müssen arbeiten. Nicht wegen des Eiweißes auf dem Teller, sondern wegen des Abbaus, der im Körperinneren passiert. Was hilft also, diesen Kreislauf zu bremsen? Selbstverständlich ausreichend Eiweiß essen. Denn Eiweiß ist das Baumaterial, das der Körper braucht, um Muskeln und Organe zu erhalten. Wenn es von außen kommt, muss er es nicht von innen nehmen.

Wenn Kundinnen trotzdem fragen: Ist Eiweiß nicht schlecht für die Nieren?

Wenn ich der Frau, die ich gerade beschrieben habe, erkläre, was in ihrem Körper passiert, und dann frage, ob sie bereit ist, mehr Eiweiß zu essen, komme ich manchmal trotzdem noch zu hören: „Aber ist das nicht schlecht für die Nieren?“ Nee, das ist genau das, was wir gerade besprochen haben.

Zwei Dinge möchte ich dir für deine Nieren trotzdem noch mitgeben.

Erste Maßnahme: Ausreichend Wasser trinken

Erstens: Trinken. Wenn der Körper Abbauprodukte loswerden muss, muss er sie auch ausspülen können. Bei normaler Größe und Statur mindestens drei Liter Wasser am Tag. Das ist einer der unterschätztesten Hebel überhaupt und er kostet dich gar nichts. Und wie oft höre ich: „Ich habe keinen Durst, ich kann nicht so viel trinken“ und und und. Alles hängt zusammen.

Zweite Maßnahme: Ausreichend Eiweiß konsumieren

Zweitens, du kannst es dir denken, ist dein Eiweiß. Nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern weil dein Körper, deine Muskeln, deine Organe, dein Hormonsystem es brauchen. Gerade wenn du mit Schilddrüsen-Themen kämpfst, ist ausreichend Eiweiß kein Nice-to-have. Es ist deine absolute Grundlage.

Fazit: Das Missverständnis, das Generationen beeinflusst hat

Also fassen wir es kurz zusammen: Der Satz „Eiweiß schädigt die Nieren“ stammt aus einem Missverständnis. Und dieses Missverständnis wurde über Jahrzehnte weitergegeben. Es gilt sowieso nicht für Gesunde, es hat nie gegolten. Was wirklich passiert ist: Zu wenig Eiweiß bringt den Körper in einen Abbauzustand, der langfristig viel mehr Probleme schafft, als eine gute Eiweißversorgung das jemals könnte.

Wenn eine Frau also in deinem Umfeld sagt, sie isst viel Eiweiß und fühlt sich großartig, dann lass ihr das. Sie macht nichts falsch, sie macht es besser als die meisten. Und wenn jemand sagt: „Aber das ist doch schlecht für die Nieren„, dann weißt du jetzt, was du antworten kannst.

Also gilt wie immer: Du kannst alles ändern, was du willst. Aber dann musst du auch bereit sein, alte Geschichten loszulassen, die dich davon abhalten. Ich sage nicht ohne Grund: Ganz viel falsche Gedanken schwirren im Kopf herum.

Wenn dir diese Folge geholfen hat, dann leite sie doch einfach auch an jemanden weiter, bei dem dieser Mythos noch im Kopf festsitzt. Und wir hören uns in der nächsten Folge.

Als zertifizierte Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit & Ernährungsmedizin mit Schwerpunkt auf Hormone & Schilddrüse zeige ich dir, wie du dir auf natürlichem Weg deine Energie zurückholst.

Erfahre hier mehr über mich.

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