Aquarell-Illustration von zwei Frauen unterschiedlichen Alters, die nebeneinander auf getrennten Yogamatten auf dem Rücken liegen

Longevity: Gewohnheiten für ein gesundes Älterwerden

Über das Altern wird viel diskutiert. Longevity ist in aller Munde und bekommt nach und nach mehr Raum in einer Gesundheitsversorgung, die aktiv mitdenkt. Dass die Zahl älterer Menschen weltweit wächst, ist bekannt. Bis zum Jahr 2030 wird schätzungsweise jeder sechste Mensch über 60 Jahre alt sein, das sind dann 1,4 Milliarden ältere Menschen weltweit. Und wenn wir an die über 80-Jährigen denken: Bis 2050 könnten es 426 Millionen sein.

Aber was hat zu diesem langen Leben beigetragen?

Warum wir immer älter werden

Ein langes Leben erreichst du über verändertes Verhalten, gesunde Ernährung und Bewegung. Und natürlich darf man die genetischen Faktoren nicht vergessen und auch nicht die zahlreichen Fortschritte der heutigen Medizin, die ebenfalls positiv zu diesem Weg beitragen. Damit diese Maßnahmen zusammen wirken können, ist es aber wichtig, dass du emotionale Ausgeglichenheit entwickelst und anfängst, die einschneidenden Veränderungen anzunehmen, die das Alter mit sich bringt.

Mit fortschreitendem Alter ist es normal, dass es kognitive, körperliche, psychische, biologische und soziale Veränderungen gibt. Und auch die Gesellschaft als Ganzes muss sich dessen bewusst werden und sich auf die nötigen Anpassungen und die Versorgung dieser wachsenden Gruppe vorbereiten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Alltag aus gesunden Gewohnheiten kann viel verändern. Gemeint ist alles, was sich positiv und ganzheitlich auf dein Leben und deine Gesundheit auswirkt, also der Erhalt von Kraft, die Vorbeugung von Krankheiten und dein körperliches wie seelisches Wohlbefinden.
  • Das Zusammenspiel all dieser Dinge trägt zu einem langen Leben bei. Und heute wissen wir: Ein Altern mit Qualität lässt sich planen.
  • Zu den Veränderungen gehören eine gesunde Ernährung und die Rückverbindung mit dem eigenen Körper. Beides hilft, die neuronale Plastizität zu erhalten.
  • Die Veränderungen des Alters anzunehmen, ist entscheidend, damit diese Maßnahmen zusammen wirken können.
  • Das negative Bild vom alten Menschen erschwert genau diese Annahme, weil es ausblendet, dass das Gehirn weiter lernen und neue Verbindungen bilden kann.
  • Bewegung, und besonders Yoga, zeigt neuroplastische und neuroprotektive Wirkungen und mildert Beschwerden bei seelischen Belastungen und chronischen Erkrankungen.
  • Kaiut Yoga ist eine Unterrichtsmethodik, die durch ihre Anpassbarkeit an die Bedürfnisse des Einzelnen auffällt und Körper wie Geist stärkt.
  • Studien zeigen: Yoga kann kognitiven Abbau aufhalten, verbessert die Plastizität des Gehirns und wirkt sich positiv auf den Schlaf aus. Dazu kommen dauerhafte Verbesserungen der Lebensqualität, weniger Ängstlichkeit und Stress sowie besseres Gleichgewicht und Reaktionsvermögen. Alles Dinge, die darüber entscheiden, ob du dein langes Leben selbstbestimmt führen kannst.
Hinweis:
Ich bin Nadine, eine der wenigen zertifizierten Kaiut-Yoga-Teacher in Deutschland. Ich unterrichte diese Methode live und online und praktiziere sie seit 2016. Kaiut Yoga wurde von Francisco Kaiut in Brasilien entwickelt.
Der Kern der Methode: Die Gelenke sind die Zugänge zum Nervensystem. Genau darüber arbeitet Kaiut Yoga, mit sanften, langsamen Positionen statt mit Kraft und Dehnung. Ausgerichtet ist die Methode auf Longevity und gesunde Körperfunktionen in jedem Alter.
Diesen Artikel habe ich anhand eines Original-Beitrags von Kaiut Yoga Brazil erstellt, in meinen Worten, aber super nah am Original. Alle Quellen und das englische Original findest du ganz unten.
Mein Ziel: Die Kraft dieser Methode für deutschsprachige Menschen zugänglich und verständlich zu machen.

Das Bild vom alten Menschen

Das Klischee des alten Menschen ohne Schönheit, ohne Lebensfreude und ohne Fähigkeiten macht es schwer, das Alter anzunehmen. Was dabei zu wenig bedacht wird: Trotz des altersbedingten Rückgangs neuronaler Verbindungen sind auch ältere Menschen in der Lage, zu lernen und neue Verbindungen zu bilden, zum Beispiel jene, die für die Entwicklung psychomotorischer Funktionen zuständig sind.

Diese Fähigkeit kennst du vielleicht besser unter dem Namen neuronale Plastizität. Also die Anpassung von Nervenzellen an neue Reize. Das bedeutet, dass Nervenzellen miteinander kommunizieren und sich im Nervensystem reparieren, solange es Reize für Lernen und Entwicklung gibt.

Solche Reize entstehen ganz natürlich im Alltag. Aber wenn der Reiz fehlt und vorhandene Verbindungen nicht genutzt werden, dann werden genau diese Verbindungen im Gehirn abgebaut. So verstehst du, wie wichtig gezieltes Verhaltenstraining für den Erhalt der neuronalen Plastizität ist. Die Empfehlung für ältere Menschen lautet deshalb, Aktivitäten mit einem intensiven Rhythmus aus motorischen, sensorischen und kognitiven Anforderungen zu machen, die zu Neuromodulation und Lernen beitragen.

Mit Reiz

Fordernde Bewegung, neue Reize, etwas lernen. Die Zelle bildet neue Verbindungen, auch im höheren Alter.

Ohne Reiz

Immer dasselbe, Schonung, Rückzug. Was nicht genutzt wird, baut das Gehirn wieder ab.

Reize halten die Verbindungen am Leben

Entzündungen und die innere Uhr

Entzündungsprozesse, die aus chronischen Stoffwechselerkrankungen entstehen, vor allem aus Bluthochdruck und Insulinresistenz, wirken sich direkt auf die neurokognitiven Funktionen aus, weil das zentrale Nervensystem mitentzündet ist. Sie können also zum kognitiven Abbau beitragen.

Neuere Forschung zeigt außerdem, dass Veränderungen im zirkadianen Rhythmus, also in unserer biologischen Uhr im 24-Stunden-Takt, zu einer inneren Schwankung führen und die Gesundheit erheblich beeinflussen. Sie werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Übergewicht sowie Schlaf- und Stimmungsstörungen in Verbindung gebracht.

Was Bewegung im Gehirn auslöst

Über den positiven Einfluss körperlicher Aktivität und die Verbesserung chronischer Gesundheitszustände wird viel gesprochen. Denn Bewegung regt nicht nur das Wachstum von Synapsen an, sie trägt auch zur Bildung von Eiweißen mit neuroplastischen und neuroprotektiven Funktionen bei.

Dazu kommt: Körperliche Bewegung beeinflusst die Botenstoffe im zentralen Nervensystem, die mit der Hemmung von Beruhigung (GABA), mit Wachheit (Noradrenalin), mit dem Belohnungssystem (Dopamin) und mit der Stimmung (Serotonin) zusammenhängen.

Mit anderen Worten: Körperliche Aktivität senkt das Auftreten und verbessert die Beschwerden, die durch seelische Belastungen wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit und Stress entstehen. Diese Wirkungen auf den Körper sind je nach Ausprägung der Beschwerden mit dem Einsatz von Medikamenten für dieselben Zustände vergleichbar, und Bewegung kann als ergänzende Maßnahme zur medikamentösen Behandlung angesehen werden.

Altern ist ein natürlicher Prozess

Das Altern des Menschen verläuft unterschiedlich und fortschreitend, aber vor allem ist es ein natürlicher Prozess. Die Körperfunktionen nehmen ab, und wenn du das nicht richtig einordnen kannst, führt das auch zu psychischen Veränderungen.

Wenn dann noch verstärkter Bewegungsmangel dazukommt, begleitet von Ängstlichkeit und Niedergeschlagenheit, trägt das zum Verlust der Selbstständigkeit und zu einem geschwächten Bewegungsapparat bei. Diesen Zusammenhang kannst du aber abschwächen, indem du dich mit einem gewissen Grad an Intensität bewegst. Das bringt beim Älterwerden echte Vorteile.

Und sobald du dir dieser Vorteile bewusst wirst, suchst du automatisch nach Aktivitäten, die mehrere Ebenen ansprechen und dauerhafte Ergebnisse bringen. Es ist deshalb kein Zufall, dass häufig Aktivitäten gesucht werden, die Körper und Geist ins Gleichgewicht bringen, so wie die Praxis des Yoga.

Aus einem natürlichen Vorgang wird eine Kette

Dass die Körperfunktionen im Alter abnehmen, ist normal. Schwierig wird es erst, wenn eines das andere nach sich zieht.

Verstärkter Bewegungsmangel

Der Körper bekommt weniger Anlässe, sich zu bewegen.

Ängstlichkeit und gedrückte Stimmung

Sie begleiten den Rückzug und verstärken ihn.

Verlust der Selbstständigkeit

Alltägliches gelingt nicht mehr ohne Hilfe.

Geschwächter Bewegungsapparat

Muskeln und Gelenke verlieren an Tragfähigkeit.

Abschwächen lässt sich das durch Bewegung mit einem gewissen Grad an Intensität. Nicht durch Schonung.

Was Yoga ausmacht

Yoga entstand vor Tausenden von Jahren und entwickelt sich bis heute weiter. Im Mittelpunkt stehen Körperhaltungen (Asanas), Atemlenkung (Pranayama), Entspannung und Meditation, woraus eine stimmige Harmonie zwischen Körper und Geist entsteht.

Die Lehren des Yoga beruhen auf der Vorstellung, dass Beschwerden nicht nur körperliche Ursachen haben, sondern auch aus angesammelten emotionalen Anforderungen und aus der Überreizung entstehen, die das moderne Leben mit sich bringt.

Studien mit Yoga-Praktizierenden berichten von Verbesserungen bei hormonellen Funktionen, im Nervensystem, in der körperlichen Gesundheit, im Stoffwechsel, beim Gewichtsverlust, im Kreislaufsystem, im Sozialverhalten, bei Entzündungen sowie im körperlichen und geistigen Zustand, dazu von einem besseren seelischen und emotionalen Wohlbefinden.

Weitere Studien berichten von einem Einfluss des Yoga auf die Regulierung des zirkadianen Rhythmus, vor allem durch Entspannung und Atemtechniken. Teilnehmende einer Untersuchung zur Wirkung von Yoga auf den Schlaf älterer Menschen berichteten von einer deutlichen Besserung ihrer Schlaflosigkeit, von längerer Schlafdauer und besserer Schlafqualität, woraus ein allgemeines Gefühl von Wohlbefinden entstand.

Warum die Form des Yoga zu dir passen muss

Die Vorteile, von denen Yoga-Praktizierende berichten, decken sich mit dem, was du dir von einem langen Leben erhoffst. Wie jede lebendige Praxis hat auch Yoga im Lauf seiner Geschichte etliche Veränderungen in Stilen, Ansätzen und Schwierigkeitsgraden durchlaufen. Diese Veränderungen entsprechen aber nicht immer den Besonderheiten der Menschen, die praktizieren.

Techniken wie Pranayama zum Beispiel werden mit der Aktivierung des parasympathischen Nervensystems in Verbindung gebracht. Das steigert die Körperwahrnehmung und hat einen starken Bezug zu den Basalganglien, die den Effekt von Lernen und Belohnung steuern und damit auch die Entstehung und den Erhalt von Gewohnheiten, besonders von solchen, die mit deinem Alltagsablauf verbunden sind.

Gratis Schnuppereinheiten Kaiut Yoga

Die Kaiut-Yoga-Methode

Die Kaiut-Yoga-Methode wurde von dem brasilianischen Naturheilkundler und Chiropraktiker Francisco Kaiut entwickelt. Sie fällt dadurch auf, dass sie als Unterrichtsmethodik den Bedürfnissen und Grenzen des Körpers gerecht werden will, ebenso der schrittweisen Entwicklung des einzelnen Menschen.

Diese Methodik hat bestimmte therapeutische Abfolgen, die darauf zielen, die Gelenke des Körpers zu befreien, statt sich auf die Muskeln zu konzentrieren. Das sorgt für mehr Beweglichkeit.

Die Methodik nutzt außerdem Elemente wie Asana, Pranayama, Meditation und Entspannung, mit dem Ziel, das Yoga auf die Bedürfnisse der praktizierenden Person auszurichten, mit Blick auf ihre gesundheitlichen Besonderheiten. Weil sie die begleitenden Wirkungen der Praxis gezielt nutzt, wird die Kaiut-Methode auch NeuroYoga genannt. Sie bindet eine fachübergreifende Anamnese ein, um den gesundheitlichen Anforderungen der Praktizierenden gerecht zu werden, die Ergebnisse und ihre Entwicklung zu beobachten und aufmerksam dafür zu sein, wann eine fachärztliche Begleitung nötig wird.

Was mit deinem Gehirn passiert

Einige wissenschaftliche Studien zeigen, dass selbst bei einem späten Beginn körperlicher Aktivität die Praxis des Yoga den natürlichen kognitiven Abbau noch verlangsamen kann, der mit dem Alter einhergeht. Der Zusammenhang ist allerdings noch unklar, und in diesem Bereich gibt es eine Forschungslücke. Was aber bereits bekannt ist: Bei körperlich aktiven Menschen ist der Abbau von Hirnsubstanz geringer.

Dass sich die Plastizität des Gehirns durch Yoga verbessert, ist nachgewiesen. Praktizierende profitieren von weniger Steifheit in den Gelenken und im Denken, weil sie die neuronalen Verbindungen zu den bearbeiteten Bereichen erweitern. Daraus entsteht eine größere Anpassungsfähigkeit gegenüber den Schwierigkeiten, die sich zeigen. Und das führt zu mehr Hirnaktivität in bestimmten Regionen, weil die Praxis das Verständnis davon einbezieht, wie Gehirn und Nervensystem arbeiten. Die seelische Gesundheit verbessert sich als Ganzes, sowohl im Bereich der Kognition als auch in der Reaktion auf Stress, und genau darauf liegt der Fokus von Kaiut.

Interessant ist, dass sich die Zusammenhänge zwischen Yoga und Gehirn beobachten lassen, zum Beispiel über bildgebende Verfahren, über Elektroenzephalogramme und über den sensomotorischen Rhythmus.

Aquarell-Illustration einer Frau, die mit dem Kopf auf einem Bolster auf dem Rücken liegt, die Knie zur Seite abgelegt

Yoga als Neuordnung, nicht als Sportprogramm

Wir sollten Yoga nicht nur als Bewegungsangebot betrachten, sondern als Neuordnung von Geist und Körper. Kaiut ist nach dem Verständnis seines Begründers eine dynamische Methode, die eine fortlaufende und aufeinander aufbauende Lernbewegung erzeugen will.

Anders als andere Yoga-Formen, die auf der Wiederholung von Haltungen beruhen, sind Kaiut-Stunden verbal geführt und richten sich an den Übenden selbst aus. Es werden verschiedene sensorische Reize angeboten, was die Erfahrung deutlich bereichert, denn die Werkzeuge des Körpers sind nicht auf die Muskeln beschränkt. Es ist eine Rückholaktion für biologische Funktionen, die pausiert wurden.

Weil diese Methode auf die Besonderheiten des Einzelnen schaut, sind die Stunden nicht vorhersehbar. Sie richten sich nach den Menschen, die anwesend sind, und verlangen von den Unterrichtenden Geschick und Können, damit die Praxis für alle Anwesenden zugänglich bleibt. Ein weiteres Merkmal der Methode: Sie hilft dir, dich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, Körperbewusstsein aufzubauen und dich selbst besser kennenzulernen.

Wenn Anpassung nötig ist

Die therapeutische Praxis des Yoga trägt zu besserem Gleichgewicht, mehr Kraft und mehr Beweglichkeit bei. Sie verbessert die Lebensqualität als Ganzes, auch das emotionale Leben, und verringert Ängstlichkeit, Stress und Niedergeschlagenheit.

Diese Eigenschaften sind besonders hilfreich für ältere Menschen und für Menschen, die zum Beispiel einen Schlaganfall erlitten haben und sich davon erholen. Ältere Menschen und Schlaganfall-Betroffene brauchen allerdings eine Anpassung der Übungen an ihre körperlichen Möglichkeiten. Dafür muss die unterrichtende Person Haltungen und Übungen abwandeln können und für Sicherheit sorgen, etwa indem sie eine Stütze anbietet, damit die Balance gehalten werden kann. Genau das macht die Kaiut-Methode zu einer Methode, die niemanden ausschließt: Sie achtet auf die Situation jedes einzelnen Menschen.

Aquarell-Illustration einer Frau in Rückenlage auf einer Yogamatte, davor sitzt mit Abstand eine Yogalehrerin

Zwei Studien und was sie zeigen

Eine Untersuchung über nur acht Wochen begleitete Teilnehmende mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die vorher keine Erfahrung mit Yoga hatten. Es waren 42 Menschen zwischen 50 und 76 Jahren, im Schnitt 59 Jahre alt. Das Programm bestand aus zwei angeleiteten Einheiten von je 90 Minuten pro Woche und fünf Einheiten zu Hause von je 30 Minuten.

Die untersuchte Gruppe berichtete von deutlichen Verbesserungen ihrer körperlichen Fähigkeiten. Dazu kam, dass die Teilnehmenden ihre Haltung im Alltag bewusster wahrnahmen und Lust auf ein gesünderes und entspannteres Leben bekamen. Viele berichteten, dass die Praxis in dieser Zeit zu weniger Gewicht und weniger Anspannung beitrug, dass sie mehr Freude bei Alltagstätigkeiten empfanden und sich Schlaf und Essverhalten verbesserten. Diese Untersuchung zeigt: Trotz des kurzen Zeitraums sind die Vorteile real.

Auch Yoga-Übende, die seit mehr als zwei Jahren praktizieren und über 60 Jahre alt sind, wurden im Hinblick auf ihren Nutzen untersucht. Befragt wurden 65 Menschen ab 60 Jahren, und die Gruppen wurden miteinander verglichen. Nach dem Pittsburgh-Index für Schlafqualität und den Leiden-Padua-Werten für Lebensqualität verbesserte die fortlaufende Praxis die untersuchten Punkte deutlich, besonders im Vergleich zu einer ähnlichen Altersgruppe, die kein Yoga praktiziert.

Aquarell-Illustration einer Frau, die sich vor dem Fenster im Stehen vorbeugt und ihren Schnürsenkel bindet

Stürze und der Rückzug danach

Ein langes Leben lässt sich als etwas Positives für die Bevölkerung betrachten. Es bringt allerdings auch besondere gesundheitliche Themen mit sich, ganz zu schweigen von der Anfälligkeit für Stürze, die zu Brüchen, zu Abhängigkeit im Alltag oder sogar zum Tod führen können.

Stürze kommen im Alter sehr häufig vor. Ihre Ursachen hängen mit Faktoren zusammen, die dem Altern selbst innewohnen, dazu mit Erkrankungen, mit Wirkungen von Medikamenten und mit den körperlichen Anforderungen der Umgebung, in der du lebst oder dich häufig aufhältst.

Wenn ein älterer Mensch wegen Unsicherheit stürzt, fängt er an, sich unsicher zu fühlen, und schränkt seine Alltagsaktivitäten aus Angst vor einem erneuten Sturz meistens ein. Es kommt nicht selten vor, dass ältere Menschen nach Stürzen unbeweglich werden und stark an Funktionsfähigkeit verlieren.

Die Stabilität deines Körpers hängt davon ab, ob dein zentrales Nervensystem und deine Muskulatur ausreichend Informationen bekommen: über die Körperwahrnehmung, über die Augen, über das Gleichgewichtsorgan und über das Denken. Das Sturzrisiko lässt sich aber durch körperliche Übungen und Yoga verringern.

Eine Untersuchung mit 20 aktiven und 20 nicht aktiven älteren Menschen prüfte das mit dem „Aufstehen und Gehen“-Test. Wer sich regelmäßig bewegte, brauchte im Schnitt 7,75 Sekunden, wer sich nicht bewegte, 13,56 Sekunden. Und je länger dieser Test dauert, desto größer ist die Sturzneigung. Trotz des klaren Zusammenhangs zwischen Bewegung und Nutzen gibt es weiterhin viele Menschen, die sich zu wenig bewegen.

Die Zahl der Studien, die die Wirksamkeit von Yoga bei der Verringerung des Sturzrisikos im Alter zeigen, ist noch begrenzt, aber ermutigend. Früher beschränkte sich Bewegung für ältere Menschen auf Ausdauerübungen, wegen ihrer bekannten guten Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und auf die Psyche. Heute versteht man besser, wie wichtig Bewegungsformen mit Kraft und Beweglichkeit für den Erhalt der Funktionsfähigkeit und der Selbstständigkeit sind.

Wie gut sind deine Gewohnheiten auf ein langes Leben eingestellt?

Sechs Fragen, keine Diagnose. Einfach eine kleine Standortbestimmung.

1. Wie oft forderst du deinen Körper mit etwas Ungewohntem, also nicht mit deiner Standardrunde?

2. Wie beweglich fühlen sich deine Gelenke morgens an?

3. Wie regelmäßig sind deine Schlafenszeiten über die Woche?

4. Wie sicher fühlst du dich beim Treppensteigen ohne Geländer?

5. Wie gut merkst du, was in deinem Körper gerade passiert, also Anspannung, Atmung, Haltung?

6. Wie sehr lernst du im Alltag noch Neues, das dich wirklich fordert?

Diese Selbsteinschätzung ersetzt keine ärztliche Abklärung. Sie soll dir nur zeigen, an welcher Stelle sich ein erster Schritt lohnt.

Was ein langes Leben wirklich meint

Während der Corona-Pandemie hat die Bewegungsaktivität in der älteren Bevölkerung aus verschiedenen Gründen leicht zugenommen. Dass Yoga die Beziehung zwischen Geist und Körper aufgreift, war bei dieser Suche ein wichtiger Faktor. Und obwohl die Praxis des Yoga keine Merkmale eines funktionellen Trainings hat, erzeugen die Lenkung der Atmung, die Arbeit an der Haltung und der Fokus auf Kraft und Fluss ähnliche Gewinne wie andere Formen, die auf Muskelkraft zielen, besonders in den Beinen. Wichtig dabei: Der wahrgenommene Nutzen beschränkt sich nicht auf die Übungsstunde selbst, sondern zeigt sich in deiner Alltagsfähigkeit. Und das trägt dazu bei, dass du sicher und gesund älter wirst, selbstbestimmt und unabhängig.

Die Suche nach einem langen Leben bedeutet nicht zwingend, länger zu leben, sondern mit Qualität zu leben, mit Vielfalt und mit guten Reizen. Lernen und der Aufbau von Gewohnheiten lassen sich in Richtung eines gesünderen Lebensstils lenken, der vorzeitiges Altern verhindert. Das verlangt allerdings einen Einsatz von Zeit und Verbindlichkeit.

Es ist wesentlich, den Geist wach zu halten, damit du die positiven Veränderungen wahrnimmst, die aus deinen Gewohnheiten entstehen. Genau dazu will Yoga beitragen, denn diese Wahrnehmung begünstigt dauerhafte Veränderungen in stimmiger Harmonie zwischen Geist und Körper.

Fazit

Mit Qualität zu altern kann herausfordernd sein. Was den Unterschied macht, ist die Fähigkeit, deine Körperfunktionen, deine Muskelkraft und deine geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten, dazu die Lust, die Gelegenheiten des Lebens zu ergreifen.

Gesundheit zu erhalten ist ein Wert, den Menschen häufiger in ihr Leben holen sollten. Weil sie die Selbstfürsorge fördert, lässt sich die Praxis des Yoga als vollständige Lösung für alle betrachten, die aktiv sein und eine bessere Lebensqualität genießen wollen. Diese Verbesserungen halten an und tragen so zu einem gesunden Älterwerden bei, mit weniger Einschränkungen durch gesundheitliche Probleme und durch das fortschreitende Alter.

Unter den verschiedenen Zugängen zum Yoga fällt die Kaiut-Yoga-Methode durch ihre Zugänglichkeit und die Anpassbarkeit ihrer Übungen auf. Du kannst unabhängig von deinem Alter und deiner körperlichen Verfassung beginnen und schon nach kurzer Zeit Verbesserungen im körperlichen, motorischen und emotionalen Wohlbefinden erleben.

Es ist nie zu spät, wenn du gesunde Praktiken beginnen und daraus eine Gewohnheit machen willst, um ein langes Leben mit Qualität zu erreichen.


Referenzen

Hier findest du das Original:

Cover des Kaiut-Yoga-eBooks „Longevity: Creating Habits for Healthy Ageing“

Als zertifizierte Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit & Ernährungsmedizin mit Schwerpunkt auf Hormone & Schilddrüse zeige ich dir, wie du dir auf natürlichem Weg deine Energie zurückholst.

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