Hormonyoga oder Kaiut Yoga, was passt besser zu dir? Hormonyoga nach Dinah Rodrigues will mit kräftiger Atemtechnik und gezielten Haltungen einzelne Hormondrüsen anregen. Kaiut Yoga fängt beim Nervensystem an, und das hat bei deinen Hormonen ein Wörtchen mitzureden. Beides kann dir guttun. Ich mache Kaiut Yoga, weil ich da seit Jahren dranbleibe. Das hat vorher kein anderer Stil geschafft.
Hormonyoga ist gefühlt immer in aller Munde. Ich habe es auch ausprobiert, und zwar nicht nur einmal. Hängen geblieben bin ich am Ende woanders, bei einer Methode, die auf den ersten Blick mit Hormonen gar nichts zu tun hat. Als ich nicht mehr nach einer Art Hormonyoga gesucht habe, kam sie von allein zu mir.
Das Wichtigste in Kürze
- Hormonyoga ist eine Übungsreihe der Brasilianerin Dinah Rodrigues aus dem Jahr 1992. Sie verbindet dynamische Haltungen, kräftige Atemtechnik und Energielenkung zu Eierstöcken, Schilddrüse, Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und Nebennieren.
- Geübt wird nach Rodrigues möglichst täglich. Ob Hormonyoga für Anfängerinnen taugt, darüber sind sich Fachleute nicht einig.
- Zu Hormonyoga gibt es eine kleine Studie und einen Fallbericht, an beiden hat Rodrigues mitgeschrieben. Dass es die Hormonwerte verändert, ist nicht belegt.
- Kaiut Yoga kommt ebenfalls aus Brasilien und arbeitet ohne Atemvorgaben. In der Methode gelten die Gelenke als Zugang zum Nervensystem. Das Nervensystem selbst steuert die Hormondrüsen über den Hypothalamus (einen Bereich im Zwischenhirn) und die Hypophyse mit.
- Für deine Hormone gibt es nicht die eine Übung. Schlaf, Essen, Bewegung und dein Umgang mit Stress gehören zusammen.
- Welche Praxis die richtige ist, entscheidet am Ende, bei welcher du über Jahre dranbleibst.
Was ist Hormonyoga?
Hormonyoga ist eine Übungsreihe, die die brasilianische Yogalehrerin Dinah Rodrigues 1992 entwickelt hat. Sie verbindet dynamische Haltungen aus dem Hatha- und Kundalini-Yoga mit kräftiger Atemtechnik, Verschlusstechniken (gezieltes Anspannen etwa von Bauch und Beckenboden) und gedanklicher Energielenkung. Ziel ist, Eierstöcke, Schilddrüse, Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und Nebennieren gezielt anzuregen, vor allem in den Wechseljahren.
Typisch ist die Blasebalgatmung (Bhastrika): Du atmest schnell und kräftig durch die Nase ein und aus, viele Male hintereinander. Nach einer Haltung hältst du den Atem an und lenkst deine Aufmerksamkeit zu einer bestimmten Drüse, etwa zur Schilddrüse oder zu den Eierstöcken. Rodrigues empfiehlt Hormonyoga allen Frauen ab 35, weil dann die weiblichen Geschlechtshormone langsam weniger werden.
Damit es wirkt, soll möglichst täglich geübt werden, nach Rodrigues mindestens dreimal pro Woche. Die Ärztin und Yogatherapeutin Hedwig Gupta nennt Hormonyoga eine „sehr anspruchsvolle und intensive Form der Yogapraxis“. Für Yogaanfängerinnen hält sie es auf keinen Fall für geeignet, weil die Atem- und Verschlusstechniken Monate an Übung brauchen.
Und was sagt die Forschung? Zu Hormonyoga nach Rodrigues gibt es eine kleine Studie aus Brasilien und einen Fallbericht über zwei Frauen, an beiden hat Rodrigues selbst mitgeschrieben. In der Studie übten Frauen nach den Wechseljahren, die schlecht schliefen, vier Monate lang zweimal pro Woche, ausgewertet wurden 15 von ihnen.
Die Frauen schliefen danach besser und hatten weniger Wechseljahresbeschwerden als Frauen ohne Übungen, aber nicht nachweisbar besser als eine Gruppe mit passivem Dehnen. Ihre Hormonwerte haben sich laut der Masterarbeit zur Studie nicht signifikant verändert. Hedwig Gupta schrieb 2022, es gebe bisher „keine hinreichenden Untersuchungen“, die eine Veränderung der weiblichen Geschlechtshormone durch Yoga beweisen.
Ich bezweifle nicht, dass Atemtechniken und bestimmte Haltungen etwas bewirken. Ich setze nur woanders an.

Wer steuert eigentlich deine Hormone?
Deine Hormondrüsen arbeiten nicht allein. Der Hypothalamus, ein kleiner Bereich im Zwischenhirn, gibt der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) Signale, und die Hypophyse gibt sie an Schilddrüse, Nebennieren und Eierstöcke weiter. Weil der Hypothalamus selbst zum Nervensystem gehört und auch Stress verarbeitet, kommt Stress ziemlich direkt bei deinen Hormonen an.
Ich hatte damals einfach zu begrenzt gedacht. Denn was steuert das Hormonsystem? Das Nervensystem. Also ist alles, was deinem Nervensystem guttut, auch für deine Hormone nicht verkehrt.
Und Hormone sind ja ein breites Feld: Stresshormone, Schilddrüsenhormone, Sexualhormone. Schilddrüse, Nebennieren und Eierstöcke sind für mich wie ein Dreibein. Hat eine Drüse ein Problem, springt gern eine andere ein und versucht auszugleichen. Deshalb ist es mir wichtig, mit dem ganzen Körper und dem Nervensystem zu arbeiten.
Steht dein Nervensystem dauerhaft auf Alarm, im sogenannten Sympathikus, kommt das bei allen drei Beinen an. Das Bild vom Säbelzahntiger erspare ich dir an dieser Stelle. Stress ist für mich ein wesentlicher Hebel, wenn es um Hormone geht.
Wie Anspannung und Ruhe zusammenspielen, steht in Warum es wichtig ist, dein Nervensystem zu verstehen. Was Stress mit der Schilddrüse macht, liest du in Schilddrüse und Stress.
Wo Hormonyoga und Kaiut Yoga ansetzen
Die Hormonsteuerung, stark vereinfacht: von oben nach unten.
Was macht Kaiut Yoga anders als Hormonyoga?
Kaiut Yoga kommt wie Hormonyoga aus Brasilien, entwickelt hat es der Yogalehrer Francisco Kaiut. Es arbeitet ohne Atemvorgaben und ohne Energielenkung. Du hältst einfache Haltungen, meist am Boden und an der Wand. In der Kaiut-Methode gelten die Gelenke als Zugang zum Nervensystem. Kaiut Yoga setzt damit eine Ebene über den einzelnen Drüsen an.
Ich nenne Kaiut Yoga gern „Yoga ohne Schnickschnack“. Atemübungen nach Vorgabe, akrobatische Posen, Chanten und stilles Sitzen suchst du hier vergeblich. Viele Kaiut-Stunden beginnen mit den Beinen an der Wand, damit dein Nervensystem zuerst runterfahren kann. Wie die Methode genau funktioniert, woher sie kommt und wie eine Stunde abläuft, erkläre ich ausführlich in Was ist Kaiut Yoga?.
| Hormonyoga | Kaiut Yoga | |
|---|---|---|
| Entwickelt von | Dinah Rodrigues, Brasilien, 1992 | Francisco Kaiut, Brasilien, erste Klassen 1999 |
| Wo es ansetzt | einzelne Hormondrüsen | Nervensystem, über die Gelenke |
| Atem | kräftige Atemtechniken, Atem anhalten | keine Vorgaben, du atmest einfach |
| Tempo | dynamisch, viele Wiederholungen | ruhig, Haltungen werden gehalten |
| Wie oft | möglichst täglich | für den Anfang ein bis zwei Stunden pro Woche |
| Für wen | vor allem Frauen ab 35, mit Gegenanzeigen | jeder Körper, auch steif oder älter |
| Was gefordert wird | Körper und Atemtechnik | weniger die Muskeln, mehr das Nervensystem |
In meinen Augen ist das der eigentliche Unterschied. Hormonyoga will gezielt einzelne Drüsen ansprechen. Ich reguliere über das Nervensystem, und das spricht im Körper letztlich alles an.
Wenn du ausprobieren willst, wie sich das anfühlt: Mit meinen Schnupperstunden kannst du Kaiut Yoga zwei Wochen lang mit aufgezeichneten Einheiten testen. Alles zu meinen Live-Stunden findest du auf der Seite Kaiut Yoga.

Warum bin ich bei Hormonyoga nie drangeblieben?
Hormonyoga hat mich einfach nicht gepackt. Ich habe es bestimmt 20, 30 Mal ausprobiert und fand es auf Dauer extrem langweilig. Genau das ist bei einer Praxis, die täglich geübt werden will, der Knackpunkt. Was dich nicht packt, machst du nicht lange, egal wie gut es gemeint ist.
Und das ging mir nicht nur mit Hormonyoga so. Ich habe ganz viele Yoga-Stile ausprobiert, und die sind toll, eine Zeit lang. Aber es war nichts dabei, wo ich dauerhaft drangeblieben bin. Bis Kaiut Yoga kam. Ich mache seit 2001 Yoga und seit 2016 Kaiut Yoga, und kein anderer Stil hat mich so lange gehalten. Ich habe ziemlich schnell gemerkt, wie gut es meinem Körper tut. Und der wollte einfach weiterüben.
Was daraus für dich folgt? Such dir die Praxis danach aus, ob du sie in einem Jahr noch machst. Der Name ist dabei ziemlich egal. Kontinuität schlägt Intensität am Anfang, und zwar deutlich.
Was ich in meinen Stunden sehe
Ganz ehrlich: Wegen Hormonyoga ist noch nie eine Frau zu mir gekommen.
Ich weiß nicht bei jeder Teilnehmerin, ob sie gerade hormonelle Herausforderungen hat. Was ich sehe, hängt von der Tagesform ab. Mal ist da Unruhe, mal ein bisschen Müdigkeit, mal Stress, den jemand mit auf die Matte bringt. Das ist eine Beobachtung aus meinen Stunden, keine Untersuchung.

Hormonyoga folgt einer festen Übungsreihe, die du möglichst täglich übst, an stressigen Tagen auch verkürzt. Und genau da klinkt sich mein Gehirn aus. Wenn es immer dasselbe ist, spule ich irgendwann nur noch ein Programm ab. Im Kaiut Yoga soll das gerade nicht passieren. Dieselbe Haltung kommt jedes Mal anders daher, aus einem anderen Winkel, mal mit Drehung, mal höher oder tiefer. Bloß nicht immer dasselbe, denn damit trainierst du dir im Sinne von Kaiut Yoga ein Ungleichgewicht an.
Dazu richtet sich auch die einzelne Haltung nach deiner Tagesform. Jede Haltung ist eine Richtung, kein Ziel. An einem unruhigen Tag nimmst du dir einfach mehr Unterstützung durch Kissen und Wand.
Francisco Kaiut hat es mal ganz einfach gesagt: „Du übst nicht Yoga, sondern du erlaubst Yoga, dich zu schulen.“ Ok, ja, hört sich auf Englisch wesentlich eleganter an.
Gibt es die eine Übung für deine Hormone?
Nein. Weder Hormonyoga noch Kaiut Yoga ist ein Schalter für deine Hormone. Sie hängen an Schlaf, Essen, Bewegung, Stress und deiner Lebensphase, und nichts davon erledigt eine einzelne Übung. Eine Yogapraxis ist ein Puzzleteil, und zwar ein wichtiges, wenn du sie über Jahre machst.
Ich glaube nicht, dass Frauen etwas falsch machen, wenn sie etwas für ihre Hormone tun wollen. Im Gegenteil. Aber es gibt nicht die eine Sache für die Hormone, und es gibt auch nicht die eine Sache für die Schilddrüse. Es ist immer ein ganzheitliches Geschehen, das ganz viele Puzzleteile braucht, bis ein Ganzes draus wird.
Auch bei mir funktionieren Dinge, die früher einfach liefen, heute nicht mehr von allein. Also stecke ich mehr Arbeit rein: Ich esse mehr als früher, bewege mich mehr, und Schlaf hat bei mir oberste Priorität. Ein gezieltes Hormonyoga brauche ich dafür nicht, ich habe ja Kaiut Yoga.
Ohne die richtige Ernährung fehlt dir übrigens die Energie für jede Bewegung, egal welche. Wie eng Schilddrüse und Wechseljahre zusammenhängen, steht in Schilddrüsenunterfunktion und Wechseljahre.
Und mit Blick auf die nächsten zwanzig, dreißig Jahre zählt für mich vor allem eins: was du beibehältst. Eine Praxis, die du mit 70 noch genauso machen kannst wie heute, ist mehr wert als eine, die du nach drei Monaten aufgibst. Mehr dazu, was das fürs Älterwerden bedeutet, steht in Longevity: Gewohnheiten für ein gesundes Älterwerden und in Gesund älter werden ohne Hanteln.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man Hormonyoga machen?
Dinah Rodrigues empfiehlt, die Übungsreihe möglichst täglich zu üben, mindestens dreimal pro Woche. Eine Einheit dauert laut IKK classic rund 30 Minuten. Im Kaiut Yoga reichen für den Anfang ein bis zwei Stunden pro Woche unter Anleitung. Wichtiger als die Häufigkeit ist in beiden Fällen, dass du dranbleibst.
Welche Nebenwirkungen hat Hormonyoga?
Dinah Rodrigues nennt vor allem Gegenanzeigen. Nur nach ärztlicher Rücksprache übst du bei Schwangerschaft, Periode, hormonabhängigem Brustkrebs, akuter Endometriose, großen Myomen, Entzündungen im Bauch, starker Osteoporose und akuten oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dasselbe gilt nach einer Herzoperation, in den ersten drei Monaten nach einer Bauchoperation und bei anderen hormonellen Erkrankungen. Bei schwerer Depression rät sie ab. Im Kaiut Yoga richtet sich die Übung nach dir: Jede Haltung wird an die Teilnehmerin angepasst, die gerade auf der Matte liegt, deshalb kann fast jede mitmachen. Bist du schwanger oder hast du eine ernste Erkrankung, sprich trotzdem vorher mit deinem Arzt.
Welche Übungen gibt es im Hormonyoga?
Die Reihe beginnt mit aufwärmenden Vor- und Rückbeugen und Drehungen, kombiniert mit der Blasebalgatmung, einem schnellen, kräftigen Atmen durch die Nase. Danach folgen Haltungen wie Drehsitze, Vorbeugen und Umkehrhaltungen, jeweils mit kräftiger Atmung und Energielenkung zu einer Drüse. Am Ende steht eine lange Entspannung. Am besten lernst du die Reihe unter Anleitung.
Ist Hormonyoga für Anfänger geeignet?
Da sind sich die Fachleute nicht einig. Die IKK classic schreibt, Hormonyoga lasse sich auch ohne Vorkenntnisse lernen. Die Yogatherapeutin Hedwig Gupta hält es dagegen auf keinen Fall für Anfängerinnen geeignet, weil die Atem- und Verschlusstechniken viel Übung brauchen. Wenn du ganz neu einsteigst, ist eine ruhige Praxis ohne Atemvorgaben in meinen Augen der leichtere Weg.
Was hat Hormonyoga mit der Schilddrüse zu tun?
Hormonyoga enthält Übungen, bei denen du die Aufmerksamkeit gezielt zur Schilddrüse lenkst, begleitet von einer langsamen, gebremsten Ausatmung. Dass das deine Schilddrüsenwerte verändert, ist nicht untersucht. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion müssen die Übungen laut IKK classic eventuell angepasst werden. Bei Hashimoto oder einer Unterfunktion klärst du am besten vorher ärztlich ab, was für dich passt.
Wann sollte man kein Yoga machen?
Bei Fieber, akuten Verletzungen, frisch nach einer Operation oder bei unklaren Schmerzen lässt du das Üben erst mal sein. Was dann geht, klärst du ärztlich ab. Im Kaiut Yoga gilt zudem: Empfindung ja, Schmerz nein. Wenn dein Körper dichtmacht, gehst du zurück oder legst eine Pause ein.
Quellen
- Hedwig Gupta: Hormonyoga: Wellness oder ernst zu nehmende Therapie? Natürlich Medizin! (Thieme), 21.09.2022
- Afonso RF, Hachul H, Kozasa EH und andere: Yoga decreases insomnia in postmenopausal women: a randomized clinical trial. Menopause 2012; 19(2): 186-193
- Afonso RF, Kozasa EH, Rodrigues D und andere: Yoga increased serum estrogen levels in postmenopausal women, a case report. Menopause 2016; 23(5): 584-586
- Rui Ferreira Afonso: Yoga como uma proposta para melhora dos sintomas do climatério em mulheres na pós-menopausa com queixa de insônia. Masterarbeit, Universidade Federal de São Paulo (UNIFESP), 2011
- IKK classic: Hormonyoga: Übungen und Wirkung bei Wechseljahren, Stand 30.07.2026
Hinweis zur Einordnung
Dieser Beitrag dient der Aufklärung und Orientierung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Therapie.
Ein Teil der genannten Studien beschreibt Zusammenhänge. Ob dabei das eine das andere verursacht, lässt sich daraus allein nicht ablesen. Wo ich meine eigene Einschätzung oder Erfahrung wiedergebe, steht das ausdrücklich dabei.


