Nebennierenerschöpfung: In welcher Phase steckst du?

Nebennierenerschöpfung ist kein einzelner Zustand, sondern ein dreiphasiger Prozess. Warum derselbe Rat in Phase 1 hilft, in Phase 3 aber schadet – und wie du deine aktuelle Phase erkennst.

Transkript der Folge 126

Hallo, schön, dass du diesmal wieder dabei bist. Ich steige mal direkt mit drei Bildern ein. Drei Frauen, die alle sagen würden: „Ich bin erschöpft.

Also, die erste ist Mitte 30, führt ein kleines Team, hat zwei Kinder. Sie schläft schlecht, liegt also abends noch lange wach, und das Herz klopft ihr irgendwie bis in den Hals. Tagsüber funktioniert sie, aber innerlich ist alles durcheinander und sie denkt: „Ich muss unbedingt runterkommen.

Die zweite Frau ist Anfang 50. Morgens braucht sie erst mal zwei Cafés, um überhaupt starten zu können. Um 15 Uhr könnte sie erst mal eine Runde Nickerchen machen und um 22 Uhr ist sie plötzlich hellwach und räumt die Küche auf. Und sie denkt: „Ich bin einfach nicht mehr so belastbar wie früher.

Die dritte ist Ende 40. Sie steht morgens auf und der Tag fühlt sich an wie Bergsteigen. Kleine Entscheidungen überfordern sie komplett. Sport unmöglich, ein Spaziergang viel zu anstrengend. Sie denkt sich: „Irgendetwas ist in mir kaputt.

Alle drei würden beim Hausarzt hören: „Sie müssen Stress abbauen.“ Alle drei würden in einem Gesundheitsmagazin lesen: „Machen Sie Yoga, meditieren Sie, trinken Sie weniger Kaffee.

Und hier ist das Problem. Diese drei Frauen stehen an völlig unterschiedlichen Punkten. Und wenn sie alle denselben Rat befolgen, hilft er einer von ihnen und schadet einer anderen.

Nebennierenerschöpfung ist ein Prozess, keine einzelne Erkrankung

Nebennierenerschöpfung ist kein Zustand. Sie ist ein Weg und dieser Weg hat drei klar unterscheidbare Phasen. Wer das nicht weiß, macht in der falschen Phase die richtigen Dinge. Das ist der Grund, warum du vielleicht seit Jahren liest, probierst, umstellst und dich trotzdem nicht wirklich erholst. Ich will dir diesmal gar keine Bausteine mitgeben, die habe ich alle in den letzten Folgen schon ausführlich besprochen: den Zusammenhang zwischen Cortisol und deiner Schilddrüse, die Rolle von Schlaf, Insulin, deine Mitochondrien. Wenn dich das interessiert, höre dir die letzten Folgen an, so ungefähr 120 bis 123, ich weiß es gerade nicht auswendig. Diesmal geht es um etwas, das darüber liegt, also quasi die Landkarte, die Phasen und wie du erkennst, wo du gerade stehst.

Phase 1: Alarm – Das überaktivierte Nervensystem

Phase 1 nennen wir mal Alarm. In Phase 1 ist dein Cortisol dauerhaft zu hoch. Dein System ist aktiviert, also du bist wach, häufig sogar überdreht, du funktionierst super, bis du irgendwann zusammenbrichst und dein Körper dir damit die Entscheidung abnimmt.

Typische Zeichen sind: Du kommst abends nicht runter, du liegst im Bett und das Gedankenkarussell startet, dein Herz klopft oder schlägt ganz hart, ohne dass du irgendetwas getan hast, du wachst morgens früh auf, oft so gegen drei oder vier, und du kannst nicht mehr einschlafen. Du bist reizbar, also Kleinigkeiten bringen dich auf die Palme, und das kennst du so gar nicht.

Und wenn du dann endlich mal zur Ruhe kommst, am Wochenende oder sagen wir im Urlaub, dann wirst du krank. Erkältung, Migräne, Magen, Darm, was auch immer. Dein Körper nutzt die erste Gelegenheit, wo du mal nicht funktionieren musst. In dieser Phase geht es deinem Körper nicht richtig gut, aber er hat noch Ressourcen. Er kämpft sich irgendwie durch und er gewinnt noch für dich.

Phase 2: Widerstand – Das kompensierte System

Phase 2 nennen wir einfach mal Widerstand. In Phase 2 verändert sich dieses Muster. Dein Cortisol-Tagesrhythmus verschiebt sich. Morgens ist die Kurve zu flach, du kommst also schwer in die Gänge. Um die Mittagszeit fällt sie weiter, oft so um 15 oder 16 Uhr, und du fühlst dich wie leergesaugt. Abends, wenn sie eigentlich langsam runterfahren sollte, springt sie wieder hoch. Du wirst wach, du bist dann produktiv um 22 Uhr, aber einschlafen, das wird schwierig.

Typische Zeichen sind: Du brauchst Kaffee, um zu starten. Du brauchst Zucker oder Kohlenhydrate am Nachmittag, um nicht umzufallen. Du hast so einen zweiten Energieschub am Abend, der dir eigentlich nicht gut tut. Und dein Schlaf ist oberflächlich. Auch wenn du mal krank wirst, vielleicht irgendeinen Infekt hast, dann hängt der irgendwie länger nach. Und auch die Wundheilung wird langsamer. Du denkst dir: „Ich bin eben ein Nachtmensch geworden.“ Das stimmt aber nicht. Dein System kompensiert einfach nur, weil es immer für dich arbeitet. Phase 2 ist tückisch, weil du funktionierst. Aber deine Substanz wird immer dünner.

Phase 3: Erschöpfung – Das zusammengebrochene System

Phase 3 nennen wir auf jeden Fall Erschöpfung. Also in Phase 3 kann dein System nicht mehr kompensieren. Cortisol ist generell zu niedrig, den ganzen Tag. Der Körper hat die Reserven aufgebraucht und schaltet ab.

Typische Zeichen sind da: Du kommst morgens gar nicht aus dem Bett, egal wie lange du geschlafen hast. Du bist nach einem einfachen Einkauf oder nach irgendeinem anstrengenden Telefonat komplett platt. Deine Stimmung ist irgendwie flach, also nicht wirklich traurig, ich sag mal eher leer. Sport überfordert dich komplett. Schon ein Spaziergang kostet dich extreme Überwindung. Häufig ist dann auch dein Blutdruck etwas zu niedrig. Du frierst schnell, du wirst infektanfälliger und Kleinigkeiten lösen Tränen aus oder sogar gar keine Reaktion mehr. In dieser Phase ist dein Körper nicht faul. Nein, er ist unterversorgt und er hat einen guten Grund, dich komplett auszubremsen.

Selbsteinordnung: Wie erkennst du deine aktuelle Phase?

Wenn du also diesmal aus dieser Folge nur eine Sache mitnehmen willst, dann ist es diese Selbsteinordnung. Stell dir mal drei Fragen.

Wie wachst du morgens auf? Zu früh und angespannt deutet auf Phase 1 hin. Spät und zäh, aber mit Kaffee geht es irgendwie, deutet auf Phase 2 hin. Gar nicht raus aus dem Bett, egal was du tust, ist dann natürlich Phase 3.

Die nächste Frage wäre: Wie reagiert dein Körper auf Sport? Wenn du ihn brauchst, um überhaupt runterzukommen, bist du vermutlich in Phase 1. Wenn du schaffst, Sport zu machen, fühlst dich aber danach müder statt frischer, hängst du vermutlich in Phase 2. Und wenn dich schon ein Spaziergang tagelang aus der Bahn wirft, bist du natürlich in Phase 3.

Die dritte Frage ist: Wie fühlt sich dein Abend an? Dieses Gedankenkarussell und „Ich kann nicht abschalten“ sind ein Zeichen für Phase 1. Dieses zweite Hoch am Tag ab so 21 Uhr, obwohl du erschöpft warst vorher, das ist Phase 2. Wenn du auf dem Sofa sitzt und hast für gar nichts mehr Energie, dann ist es definitiv Phase 3.

Du musst dich jetzt nicht zu 100 Prozent in irgendeiner Phase wiederfinden. Viele Frauen sind durchaus zwischen zwei Phasen unterwegs. Aber meist gibt es eine Phase, die ein bisschen dominanter ist und die zeigt dir, wo du gerade stehst und worauf dein Körper im Moment reagiert.

Warum derselbe Rat heilt oder schadet

Und jetzt wird es wichtig. Es geht nämlich darum, warum derselbe Tipp heilt oder schadet. Also der Tipp „Mach mehr Sport“ ist in Phase 1 oft hilfreich. Dein System hat Energie, die will raus. Bewegung hilft, Cortisol abzubauen und senkt die Grundspannung. Derselbe Tipp ist in Phase 3 komplett schädlich. Dein System hat diese Energie nicht. Jede zusätzliche Belastung drückt dich tiefer in die Erschöpfung.

Auch solche Tipps wie „Faste mal 16 Stunden„: Ja, dann ist in Phase 1 vielleicht noch unproblematisch. In Phase 2 verschärft dieser Tipp das Blutzuckerproblem. In Phase 3 ist er ehrlich gesagt ein Brandbeschleuniger.

Und auch solche Tipps wie: „Ja, nimm Adaptogene wie Ashwagandha.“ Ja, das kann in Phase 2 stabilisieren. In Phase 1 mit stark erhöhtem Cortisol reagieren ganz viele mit Unruhe oder Herzklopfen. Und in Phase 3 ist die Wirkung oft viel zu schwach und das eigentliche Problem wird natürlich gar nicht adressiert.

Also du siehst: Dieselben Ratgebersätze können drei völlig unterschiedliche Dinge bedeuten. Das ist also kein Detail, das ist wichtig. Deshalb nervt mich auch dieses allgemeine Blabla und dieser „Ist-für-alle„-Gesundheitsstempel. Denn wie du gesehen hast, haben wir ja das Ergebnis zwischen Erholung und jahrelangen im Kreis drehen. Also, das ist ja eine Bandbreite, die ist der Wahnsinn.

Individuelle Lösungen für jede Phase

Ich gebe dir natürlich keinen Allgemeintipp, weil seriöse Empfehlungen in diesem Bereich immer individuell sind und in die Beratung gehören. Aber ich gebe dir natürlich eine Richtung.

In Phase 1 geht es darum, den Alarm zu dämpfen. Das Nervensystem lernt wieder, dass es sicher ist. Rhythmus, klare Grenzen, weniger Stimulation. Eine einfache Atem- und Bewegungspraxis, die den Parasympathikus aktiviert. Du ahnst es schon, Yin-Yoga arbeitet genau auf dieser Ebene.

In Phase 2 geht es um Stabilisierung. Es geht darum, den verschobenen Tagesrhythmus wieder intakt zu bringen. Also kleine, konsistente Interventionen statt irgendeinem großen Wechsel. Und ehrlich gesagt, oft ist hier auch das Anschauen von Laborwerten total wichtig, die du dir im Regelfall noch nie angeschaut hast. Also ein Cortisol-Tagesprofil, dein DHEA-Wert, dein FT3, dein Eisenhaushalt und nicht nur ein einziger Eisenwert.

In Phase 3 geht es nicht um mehr. Es geht um weniger, radikal weniger, und um eine sehr, sehr langsame und eine sehr, sehr sanfte Wiederaufbauarbeit. Sport im klassischen Sinne ist hier komplett kontraproduktiv. Was gebraucht wird, ist quasi ein physiologischer Boden. Heißt: Nährstoffdichte, Ruhe, ein gutes Mikrobiom und natürlich oft auch Begleitung. Denn so etwas setzt du nicht mal eben um. Das ist wirklich Arbeit, damit du wieder ein Fundament hast.

Erschöpfung verstehen und überwinden

Erschöpfung ist also keine einzelne Sache. Sie ist eine Landkarte mit drei Regionen und jede Region hat quasi ihre eigene Sprache, ihre eigenen Zeichen und ihre eigenen Werkzeuge. Und nur so kannst du alles ändern, was du willst. Wenn du das erste Mal in deinem Leben weißt, in welcher Phase du stehst, hörst du auf, dich an Tipps zu halten, die überhaupt nicht für dich gemacht sind. Du fängst an, deinem Körper genau das zu geben, was er gerade braucht und genau da beginnt Erholung.

Wenn dir diese Einordnung geholfen hat, dann teile diese Folge mit einer Frau, die sich gerade im Kreis dreht. Oft reicht ein Satz wie: „Höre dir das einfach mal an“ und jemand versteht zum ersten Mal, was im Körper passiert und dass er nicht verrückt ist. Oder sie in dem Fall.

Und wenn du jetzt merkst, das passt alles zu mir und meine Schilddrüse spielt auch verrückt, dann ist das ja kein Zufall. Diese HPA-Achse und die Schilddrüse sind biochemisch so eng verbunden, dass sie meistens zusammenkippen. In meinem kostenlosen Schilddrüsentraining zeige ich dir die sieben Schritte, mit denen du dieses Zusammenspiel wieder in Ordnung bringen kannst. 

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 Wir hören uns in der nächsten Folge.

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