Müde trotz Schilddrüsentabletten: Warum Energie in den Zellen fehlt

Schilddrüsenwerte normal, aber trotzdem erschöpft? Deine Mitochondrien könnten der Schlüssel sein. Erfahre, wie Dauerstress, Nährstoffmängel und Toxine deine Energieproduktion bremsen und wie du das änderst.

Transkript der Folge 123

Hallo, schön, dass du wieder dabei bist. Diesmal starte ich mal mit einer Situation, die mir in Beratung ständig begegnet. Da heißt es dann: „Nadine, meine Schilddrüsenwerte sind eingestellt, ich nehme mein L-Thyroxin, ich achte auf meine Ernährung und ich habe trotzdem keine Energie.“ Und jedes Mal, wenn ich so etwas höre, denke ich: Darüber kann ich mit dir hier auch mal sprechen, nämlich über deine Mitochondrien. Ja, klingt jetzt erstmal nach Bio-Unterricht, aber gib mir einen Moment, darum geht es nicht. Das ist eher die Erklärung dafür, warum du trotz behandelter Schilddrüse morgens aufwachst und dich fühlst, als hätte dir einer den Stecker gezogen.

Mitochondrien: Die Kraftwerke deiner Zellen verstehen

Ganz kurz, damit wir auf demselben Stand sind: Mitochondrien sind winzige Kraftwerke in fast jeder deiner Körperzellen. Tausende davon pro Zelle. Du kannst dir auch vorstellen, wie so kleine Batterien, die ständig aufgeladen werden und deinen Körper mit Strom versorgen. Ihre Aufgabe ist, Energie zu produzieren. Genauer gesagt, stellen sie etwas her, das sich ATP nennt, also Adenosintriphosphat. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. ATP ist die Energiewährung deines Körpers. So wie du mit Geld alles bezahlst – Miete, Essen, Kleidung – bezahlt dein Körper alles mit ATP. Alles, was er tut. Also jede Bewegung, jeden Gedanken, jede Hormonproduktion, jede Zellteilung, alles läuft über ATP.

Zellen, die besonders viel Energie brauchen, haben besonders viele Mitochondrien. Dein Herzmuskel zum Beispiel, der schlägt ja auch rund um die Uhr ohne Pause. Dein Gehirn verbraucht allein schon etwa 20 Prozent deiner gesamten Energie, obwohl es nur zwei Prozent deines Körpergewichts ausmacht. Und deine Muskeln, die dich natürlich den ganzen Tag durch den Tag tragen, die sind auch alle vollgepackt mit diesen kleinen Kraftwerken.

Und wenn die nicht richtig arbeiten, na dann reicht die Energie nicht. Dann bist du erschöpft, obwohl du geschlafen hast. Dein Gehirn denkt langsam, obwohl du schon den zweiten Kaffee getrunken hast. Du frierst, obwohl alle anderen im T-Shirt rumla

ufen. Du brauchst ewig, um dich nach Sport oder nach einem stressigen Tag zu erholen. Und du fragst dich: „Woran kann das bloß liegen?“ Kommt dir das bekannt vor? Das dachte ich mir.

Der direkte Zusammenhang zwischen Schilddrüse und Mitochondrien

Also, lass uns da mal eintauchen. Es gibt eine direkte Verbindung zur Schilddrüse und deshalb wird es jetzt spannend. Stell dir deinen Körper vor wie ein Orchester. Die Schilddrüse ist so der Dirigent – sie gibt den Takt vor. Und dein aktives Schilddrüsenhormon, das T3, steuert direkt, wie gut deine Mitochondrien arbeiten, wie viele davon überhaupt da sind und wie effizient sie Energie produzieren. T3 ist also quasi der Chef deiner Kraftwerke, wenn man das jetzt ganz vereinfacht sagen möchte.

Wenn der Chef flüstert, statt klare Ansagen zu machen, dann fahren die Kraftwerke runter. Sparflamme. Und es gibt weniger Energie. Du funktionierst, aber eben nicht so wirklich.

Warum normale Schilddrüsenwerte nicht die ganze Geschichte erzählen

Und jetzt der Punkt, der viele frustriert: Das siehst du im Standard-Blutbild oft nicht. Dein TSH kann im Normbereich sein, dein T4 auch, aber T3, das Hormon, das in den Zellen tatsächlich ankommt und dort arbeitet, kann trotzdem zu niedrig sein. Warum? Weil T4 ja erstmal in T3 umgewandelt werden muss. Das ist wie ein Rohstoff, der erst verarbeitet werden muss, bevor er nutzbar ist. Und genau diese Umwandlung funktioniert bei vielen Frauen mit Hashimoto oder auch chronischer Erschöpfung nicht so richtig. Und das erklärt, warum du trotz normaler Werte nicht wirklich auf die Beine kommst.

Ein Wert auf dem Papier ist ja nicht dasselbe wie das, was in deinen Zellen tatsächlich passiert. Dein Körper ist ja kein Labor.

Hashimoto und Entzündungen: Der Doppelschlag für deine Kraftwerke

Und dann kommt noch was dazu. Hashimoto ist ja eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dein Immunsystem greift dauerhaft eigenes Schilddrüsengewebe an und das sorgt für ständige Entzündungsprozesse im Körper. Stell dir das vor wie ein schwaches, aber permanentes Feuer, das so im Hintergrund lodert. Und diese Entzündung schädigt deine Mitochondrien direkt. Sie greift quasi die Schutzhülle der Kraftwerke an, stört ihre Funktion. Das ist so, ja, eigentlich ein Doppelschlag. Erst zu wenig T3 und dann noch die Entzündung obendrauf.

Um bei meinem beliebten Orchesterbild zu bleiben: Dein Dirigent ist leise und gleichzeitig spielt das Orchester in einem Raum mit ganz schlechter Akustik. Und das Ergebnis ist: Es klingt nicht rund, egal wie gut die einzelnen Musiker sind.

Drei Faktoren, die deine Mitochondrien schwächen

Und es gibt drei Faktoren, die deine Mitochondrien in erster Linie schwächen.

Dauerstress als Mitochondrienkiller

Da haben wir als ersten Punkt Dauerstress. Kurzfristiger Stress ist normal, kein Problem. Dein Körper ist dafür gemacht. Stresshormon rauf, Situation bewältigen, Stresshormon wieder runter. Aber wenn dein Körper Monate oder Jahre auf erhöhtem Alarmniveau läuft, also dauerhaft zu viel Cortisol ausschüttet, dann passiert was Fieses. Cortisol greift die Schutzhülle deiner Mitochondrien an. Stell dir vor, deine Kraftwerke haben eine Außenwand, die sie schützt. Und Dauerstress nagt an dieser Wand, langsam aber stetig. Die Folge: Die Zellen können sich nicht mehr richtig erholen. Die Energieproduktion sinkt. Und du wirst erschöpfter, obwohl du ja nur ein bisschen gestresst bist.

Nee, dein Körper sieht das anders. Für ihn ist das wie ein Dauerlauf ohne Pause. Irgendwann gehen die Reserven aus.

Nährstoffmängel und ihre Folgen

Zweitens, du kannst es dir denken: Nährstoffmängel. Mitochondrien brauchen natürlich bestimmte Nährstoffe, um zu funktionieren. Wie ein Motor bestimmte Betriebsstoffe braucht. Ohne die richtigen Zutaten läuft er nicht rund oder gar nicht.

So, in dem Fall der Mitochondrien haben wir zum Beispiel das Magnesium. Ohne Magnesium stockt die ATP-Produktion, also die Energieherstellung in deinen Zellen. B-Vitamine, vor allem B1, B2 und B3, sind quasi wie Zündkerzen in diesem Motor. Sie bringen die Energiegewinnung überhaupt erst in Gang. Dann haben wir das Coenzym Q10, also kurz Q10. Das sitzt direkt in der Schutzhülle der Mitochondrien und sorgt dafür, dass die Energieproduktion reibungslos läuft. Eisen braucht dein Körper, um Sauerstoff in die Zellen zu transportieren. Und ohne Sauerstoff können deine Kraftwerke nicht arbeiten.

Selen, das kennst du, wenn du schon länger dabei bist, ist essentiell für die Schilddrüsenfunktion und schützt gleichzeitig die Mitochondrien vor sogenanntem oxidativen Stress. Oxidativer Stress bedeutet im Grunde, deine Zellen werden von innen angegriffen durch aggressive Stoffwechselprodukte, die bei Entzündungen oder Belastungen entstehen können. Selen hilft, diese Angriffe abzuwehren. Und nicht zu vergessen auch die Omega-3-Fettsäuren. Die stärken die Zellmembran und wirken entzündungshemmend.

Das Interessante: Wie du vielleicht schon bemerkt hast, braucht viele dieser Nährstoffe auch deine Schilddrüse. Das ist kein Zufall. Beides hängt zusammen. Mängel auf einer Seite ziehen die andere einfach mit runter.

Toxine und Umweltgifte

Als dritten Punkt haben wir noch Toxine und Umweltgifte. Das Thema, über das eigentlich am wenigsten gesprochen wird und das mega relevant ist. Denn bestimmte Schadstoffe, denen wir im Alltag begegnen, können deine Mitochondrien direkt schädigen.

Fangen wir mit Schwermetallen an. Quecksilber findest du zum Beispiel in alten Amalgamzahnfüllungen oder in bestimmten Fischsorten wie Thunfisch und Schwertfisch. Blei kann in alten Wasserleitungen stecken oder in manchen günstigen Gewürzen aus dem Ausland. Dann gibt es ja auch die Pestizide, also die Pflanzenschutzmittel, die auf konventionell angebautem Obst und Gemüse landen. Die nimmst du dann über die Nahrung auf, oft ohne es zu merken. Und dann haben wir auch noch die Weichmacher, wie BPA. Die stecken in vielen Plastikprodukten, also Trinkflaschen, Frischhaltefolien, Konserven, Dosenbeschichtungen und auch Kassenbons. BPA kann sich lösen, wenn Plastik erhitzt wird oder lange in Kontakt mit Lebensmitteln steht.

Was machen jetzt diese Stoffe mit deinen Mitochondrien? Sie stören quasi die Abläufe, über die deine Kraftwerke Energie herstellen. Stell dir das einfach wie Sand im Getriebe vor. Alles läuft langsamer, stockt, verbraucht mehr Ressourcen als nötig, und gleichzeitig erzeugen sie zusätzlich diesen oxidativen Stress. Also genau diese inneren Angriffe auf deine Zellen, über die wir gerade gesprochen haben.

Und ich sage das nicht, damit du jetzt in Panik gerätst oder deine komplette Küche ausmistest. Aber wenn jemand trotz guter Ernährung, guter Nährstoffversorgung und behandelter Schilddrüse immer noch nicht richtig Energie hat, dann lohnt sich ein Blick in diese Richtung. Kleine Schritte können schon helfen. Glas statt Plastik für Getränke, Bio bei den Obst- und Gemüsesorten, die du am meisten isst, Händewaschen nach dem Anfassen von Kassenbons. Also kein Perfektionismus, einfach etwas bewusster leben.

Gerade bei Hashimoto, wo das Immunsystem eh schon unter Druck steht, können Toxine die Situation still und leise verschlimmern.

Konkrete Maßnahmen für mehr Energie

Was kannst du jetzt konkret tun? Wir fangen natürlich wie immer mit dem Fundament an. Meine Empfehlung ist ja sowieso immer: Nährstoffe checken. Ob das jetzt Magnesium ist, B-Vitamin, Eisen, Selen, das ist ja alles keine Luxusergänzung. Das kann im Fall des Mangels die Basisversorgung für deine Zellen sein, die Energie produzieren sollen. Wenn du das noch nie gezielt über ein Blutbild oder eine Analyse überprüft hast, dann lass das vorher unbedingt machen. Nicht irgendwas blind einnehmen, weil du es irgendwo gelesen hast. Das bringt meistens nichts. Sondern schauen, wo du wirklich stehst, und dann gezielt auffüllen, was fehlt.

Ich sehe das in den Beratungen immer: „Ja, der einzelne Wert wurde überprüft und das und das. Kein Kontext, kein Zusammenhang.“ Ich sehe an der Zusammenschau von Werten, die ich mir anschaue, wo etwas fehlt, was wir gar nicht überprüft haben. Das ist der Unterschied: Mit, ich gucke auf einen Zettel und nehme dann mehr oder weniger von einer Sache, oder aber ich weiß, was ich tue. Ich kenne die Abläufe, wie das Ganze läuft, ich weiß, wo was gebraucht wird und was das Ergebnis von etwas ist.

Bewegung als Mitochondrien-Booster

So, nächster Punkt: Bewegung. Total wichtig, aber natürlich richtig dosiert. Das ist tatsächlich spannend, denn wenn du dich regelmäßig und moderat bewegst, reagiert dein Körper, indem er mehr Mitochondrien bildet. Die bestehenden Mitochondrien werden sogar effizienter. Das ist eine der wenigen Maßnahmen, bei der du wirklich direkt auf Zellebene etwas bewirken kannst. Aber wie gesagt, richtig dosiert. Kein Hochleistungssport, kein tägliches Auspowern, denn genau das treibt bei Schilddrüsenproblemen das Cortisol nach oben. Und wir haben ja gerade besprochen, was Dauerstress mit deinen Mitochondrien macht.

Also regelmäßige Bewegung, die zu deinem aktuellen Energielevel passt. Spazieren gehen, leichtes Widerstandstraining und Kaiut-Yoga sind hier eine wunderbare Möglichkeit. Sanft, tiefenwirksam, nervensystemfreundlich. Du musst nicht rennen, du musst nicht schwitzen, du musst dich einfach nur bewegen.

Die Bedeutung von qualitativem Schlaf

Dann, ganz wichtig: Nimm den Schlaf ernst. Im Schlaf passiert die eigentliche Reparaturarbeit. Deine Mitochondrien regenerieren sich, beschädigte Zellen werden aufgeräumt, neue Energie wird aufgebaut. Wenn du nicht tief und erholsam schläfst, können deine Kraftwerke sich nicht richtig erholen. Punkt.

Auch deshalb ist Schlafqualität, nicht nur Schlafdauer, so entscheidend. Acht Stunden liegen und trotzdem nicht ausgeruht aufwachen, kennen viele in dieser Situation. Das ist kein Zufall.

Das freie T3 testen lassen

Und lass T3 wirklich messen. Nicht nur TSH, nicht nur T4. Lass dir freies T3 bestimmen. Das ist das Hormon, das wirklich in den Zellen ankommt. Und besprich die Ergebnisse mit jemandem, der das ganzheitlich bewertet und nicht nur auf die Normwerte auf dem Laborzettel schaut. Denn wie ich schon oft sagte: Normal heißt nicht gut für dich.

Wenn du erschöpft bist und keine Erklärung dafür findest, die wirklich passt, dann liegt die Antwort vielleicht nicht in dem Blutbild, das du hast, sondern im Blutbild, das du noch nicht gemacht hast. Und in den Zellen, die gerade nicht bekommen, was sie brauchen. Dein Körper ist nicht kaputt. Er bekommt vielleicht einfach nicht das, was er braucht, um für dich zu arbeiten. Das kannst du ändern, und genau das ist der erste Schritt.

Erste Schritte: Verstehen und handeln

Verstehen, was wirklich passiert und dann ins Tun kommen. Nur dann kannst du alles ändern, was du willst. Und wenn du jetzt denkst: „Okay, ich will wissen, welche Nährstoffe bei mir wirklich Priorität haben„, dann habe ich was für dich. Ich habe einen kostenlosen Guide zusammengestellt mit fünf wichtigen Nährstoffen für mehr Energie bei Schilddrüsen-Themen, inklusive Lebensmittelquellen und Empfehlungen. Den Link findest du in den Shownotes.

So, und jetzt wünsche ich dir was: Setz einige der kleinen Vorschläge um, die du hier gehört hast, denn es gilt wie immer: Kleinvieh macht Mist. Wir hören uns in der nächsten Folge.

Als zertifizierte Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit & Ernährungsmedizin mit Schwerpunkt auf Hormone & Schilddrüse zeige ich dir, wie du dir auf natürlichem Weg deine Energie zurückholst.

Erfahre hier mehr über mich.

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