Schilddrüse & L-Thyroxin - Ist die Einnahme das Richtige für dich?

 

Du fragst dich, ob es gut für dich ist, dauerhaft L-Thyroxin, Euthyrox oder ähnliche Schilddrüsenmedikamente einzunehmen? Vielleicht bemerkst du nicht einmal eine Verbesserung deiner Symptome, wenn du sie ein nimmst? Oder fühlst dich sogar seit der Einnahme schlechter?

In diesem Beitrag erkläre ich dir die Zusammenhänge, damit du entscheiden kannst, ob die synthetische Einnahme von Thyroxin überhaupt das Richtige für dich ist.

Dabei gehe ich auf ein paar Punkte ein, die nicht so geläufig sind, die du aber unbedingt wissen solltest. 

 

Keine Zeit fürs Video? Du liest lieber? Kein Problem:

 

Ich hatte eine Hashimoto-Thyreoiditis. Wie vielen anderen wurden mir auch Schilddrüsenhormone in Form von L-Thyroxin gegeben und fertig. Da ich noch jung war, habe ich mir keinen Kopf darüber gemacht, aber ich weiß noch, dass ich keinen Unterschied bemerkt habe, selbst wenn ich die Einnahme mal vergaß, ging es mir wie immer.

Es hatte also keinerlei Einfluss auf meine Symptome. Zum Glück habe ich später angefangen, Fragen zu stellen. Mein Arzt konnte sie allerdings nicht beantworten, denn er kannte nur einen Weg, die Erkrankung in Schach zu halten. Ich aber wollte keine Symptombekämpfung, sondern mehr. Und letztlich konnte ich meine Hashimoto heilen.

 

Was passiert im Körper?

Hypothalamus (TRH) und Hypophyse (TSH)

Schauen wir uns doch einmal an, was überhaupt im Körper passiert. Wir haben den Hypothalamus, ein Teil des Zwischenhirns. Dieser schüttet TRH, das Thyreotropin-Releasing-Hormon, aus. Das TRH geht zur Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse und veranlasst dann dort die Ausschüttung von TSH. Das ist das Thyreoidea-stimulierende Hormon (schilddrüsenstimulierendes Hormon). Das kennst du sicher, denn das wird häufig beim Arzt gemessen. Dies ist kein Schilddrüsenwert, sondern eine Messung des Hypophysenhormons.

TSH wandert dann zur Schilddrüse und beauftragt dort die Produktion der Schilddrüsenhormone, hauptsächlich T4 und einen kleinen Anteil T3. Ist dieser Job erledigt, gibt es ein Feedback-System im Körper und das meldet zurück, dass die Hormonspiegel im Idealfall passen. Auf diesem Weg wird dann die Produktion von TRH und TSH reguliert.

 

Schilddrüsenhormone (T3, T4, fT3, fT4)

Und dann haben wir natürlich die Schilddrüsenhormone. T3, T4, fT3, fT4 - Was ist überhaupt was? T4 ist das Thyroxin, quasi das, was du auch synthetisch als Tablette einnehmen kannst. T3 ist die aktive Form von T4. Beide bestehen aus der Aminosäure Tyrosin und Jodatomen. Das T4 hat vier Jodatome und wenn es eins abgibt, dann wird es zum T3. T3 ist ca. 100-fach stärker als T4 und kann an fast allen Körperzellen andocken. Das zeigt auch gleichzeitig, wie wichtig es für den Körper ist.

T3 und T4 fahren mit einem Eiweißgefährt durch den Körper. Lösen sie sich davon, werden sie zu fT3 und fT4 - der freien stoffwechselaktiven Form. Erst diese Form kann im Körper als Botenstoff wirken.

Jetzt kennst du einmal den kompletten Weg, so wie man ihn sich wünscht.

 

Mögliche Problemstellen im Ablauf

Aber schauen wir uns doch einfach mal die Problemstellen an.

Der Hypothalamus, der das TRH produziert, ist anfällig. Kälte und Stress können zum Beispiel eine vermehrte Ausschüttung von TRH veranlassen. Als Gegenbeispiel: Cortisol, ein Stresshormon der Nebennieren, kann die TRH-Ausschüttung wiederum hemmen. Schon hätten wir an der nächsten Station, der Hypophyse, also eine Auswirkung. Dort, wo der Arzt das TSH misst und gegebenenfalls sagt, dass ein Schilddrüsenhormone vonnöten sei.

Nun ja, im besten Fall überprüft der Arzt natürlich auch die Schilddrüsenhormone selbst, also T3, T4, fT3, fT4 und berät dich dann hinsichtlich eines Schilddrüsenmedikaments.

 

Bedenkenswerte Punkte bei der Anwendung von L-Thyroxin

Was musst du bei einer Entscheidung für ein synthetisches Thyroxin, also ein Schilddrüsenmedikament, unbedingt beachten?

 

T4 ist nur ein Hormon von vielen

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Die gesunde Schilddrüse produziert insgesamt mehr als 30 verschiedene Hormone. Das sind zumindest die bisher bekannten, nicht abschließenden Fakten.

Nimmst du also T4 ein, heißt das nicht zwangsläufig, dass auch alle anderen Unterhormone und weiteren Hormone im richtigen Verhältnis gebildet werden.

 

Hohe Dosen L-Thyroxin können problematisch sein

Die Dosierung ist ebenfalls sehr wichtig, denn ein Überschuss an L-Thyroxin kann Folgen haben. Ich hab dir fünf Punkte mitgebracht.

  1. Beim Abbau eines Überschusses werden Thyronamine gebildet. In Experimenten wurde gezeigt, dass Thyronamine in der Lage sind, die Herzfrequenz und die Körpertemperatur abzusenken. Es könnten sich also durch die erhöhte Gabe von L-Thyroxin Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion zeigen. Von Energie und Wohlbefinden ist dann nicht zu sprechen.
  2. Ein Zuviel an L-Thyroxin kann zu einer vermehrten rT3-Produktion führen. Bedeutung: rT3 steht für reverse T3. Dies kann ebenfalls aus T4 gebildet werden und ist eine biologisch inaktive Form von T3. Es wird hergestellt, wenn es keinen Bedarf an T3 gibt oder wenn eine Umwandlungsstörung im Körper vorliegt. Eine rT3-Erhöhung kann aber auch durch Verletzungen, Stress, Energiemangel, Entzündungen, Giftstoffe, Infekte und Entgiftungsstörungen erfolgen. Das rT3 kann an die Rezeptoren für T3 andocken und blockiert dann dort den Platz. Ein Zuviel an rT3 kann somit dazu führen, dass gegebenenfalls ausreichend vorhandenes T3 keine Wirkung entfalten kann.reverse T3 wird aus T4 gebildet und kann T3 in seiner Wirkung hindern
  3. Ein Überschuss von L-Thyroxin treibt auch die Nebennieren an und kann infolgedessen zu einer Nebennierenschwäche führen. Eine sehr unangenehme Sache, denn keine Energie hat man ja im Regelfall schon.
  4. Zu viel L-Thyroxin beziehungsweise dessen Abbauprodukte können die Eierstöcke und die Gebärmutter beeinflussen. Dies kann sogar zu Wechseljahrsbeschwerden und einer verfrühten Menopause führen.
  5. Zuletzt können hohe Dosen von L-Thyroxin fast immer zu einer Gewichtszunahme führen.

 

Zusammenfassung

Ich fasse mal kurz zusammen: Nimmst du das Medikament ein, heißt es immer noch nicht, dass deine Probleme gelöst sind. Du hast gesehen, Störungen sind an vielen Stellen möglich. Es kann an

  • einer insgesamt zu geringen Hormonproduktion liegen,
  • am Fehlen von Baumaterial für die Schilddrüsenhormone,
  • die Umwandlung von T4 in T3 kann gestört sein - unter anderem durch Stress, Cortisol, auch durch Progesteronmangel
  • oder wir produzieren zu viel rT3 statt T3 aus dem T4.
  • Zusätzlich kann ein Überschuss an T4 selbst wieder neue Probleme erzeugen.

 

Eigenregulation wird gehindert

Und der für mich wichtigste Punkt:

Durch die Einnahme von T4 kannst du deinen eigenen Körper daran hindern, sich selbst wieder zu regulieren.

Denn führst du das Hormon von außen zu, stellt die Schilddrüse ihre Tätigkeit an und verkleinert sich im Laufe der Zeit.

 

Einnahme von L-Thyroxin

Entscheidest du dich für die Einnahme von L-Thyroxin, lautet eine Grundregel in meinen Augen:

Fang niedrig dosiert und engmaschig vom Arzt überwacht mit einer Thyroxin-Medikation an.

Verlasse dich nicht nur auf Blutwerte. Du bist individuell. Wenn du dich gut fühlst und deine Blutwerte passen nicht hundertprozentig ins Bild, dann geht es dir trotzdem gut. Jeder Körper ist anders und auch jeder benötigt eine andere Hormonmenge. Verlass dich also immer auf dich selbst.

Wir halten fest, die Gabe von L-Thyroxin in Tablettenform muss keine Besserung von Symptomen hervorrufen und kann sogar negative Auswirkungen haben. Und nun weißt du auch, warum.

Dennoch haben diese Medikamente natürlich ihre Daseinsberechtigung. Sie können einem aus der Balance geratenen Körper kurzfristig helfen. Sie sind aber keine Lösung und auch keine Ursachentherapie.

Es geht auch anders

Ich empfehle, mittel- bis langfristig immer Ursachenforschung zu betreiben und Ernährung, Stressbelastung und Lebensführung zu optimieren.

Deine Schilddrüse kann sich erholen, wenn du dich um sie und damit um dich selbst kümmerst. Das bedeutet am Ende, dass du eine erforderliche Medikamentendosis drastisch reduzieren oder wie in meinem Fall und bei vielen meiner Kunden komplett darauf verzichten kannst.

Vergiss nicht, du kannst absolut alles ändern, was du willst.

 

 


Über die Autorin

Nadine Kranz ist Expertin für Schilddrüsen- und Hormongesundheit. Sie hilft Frauen, ihre Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion mit individuell optimierter Ernährung und ein paar kleinen Veränderungen in der Lebensweise effektiv und nachhaltig zu verbessern. 

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