Schilddrüse & Abnehmen: Warum Low Carb KEIN guter Plan ist!

 

Die Gewichtszunahme bei Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion ist häufig ein Faktor, der als Erstes auffällt und dich vermutlich stark belastet. Viele wissen zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass sie in eine hormonelle Schieflage gerutscht sind, andere haben die Schilddrüsen-Diagnose bereits.

Das Zunehmen ist auf jeden Fall ein Dorn im Auge und häufig passiert die Zunahme auch, ohne groß das Essen verändert zu haben. Also was macht Frau dann? Eine Diät. Und natürlich wird Low Carb und ketogen hinsichtlich der Gewichtsabnahme immer wieder gefeiert. Es ist somit der logische Schritt, das doch mal auszuprobieren.

Warum du dich damit vollständig ins Abseits schießen kannst, berichte ich dir jetzt.

 

Keine Zeit fürs Video? Du liest lieber? Kein Problem:

 

Was ist Low Carb?

Bevor wir darüber sprechen, warum es für dich keine gute Maßnahme ist, lass uns einmal klären, was Low Carb bzw. ketogen überhaupt bedeutet. 

 

Low Carb steht für "low carbohydrate", also eine Ernährung mit reduziertem Kohlenhydratanteil. Bei dieser Ernährungsweise werden Lebensmittel mit hohem Kohlenhydratgehalt, wie Brot, Nudeln oder Reis, durch solche mit niedrigerem Gehalt ersetzt. Hierzu zählen etwa Gemüse, Fleisch, Fisch, Nüsse und Samen.

Ziel ist es, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten und den Insulinspiegel niedrig, was zur Gewichtsabnahme und besseren Blutzuckerwerten beitragen kann.

Low Carb Ernährung

Soviel zu einer recht allgemeinen Erklärung. Und genau da, wird mir schon regelmäßig schwindelig, denn ich kann mit allgemeinen Erklärungen nichts anfangen. Und vielleicht geht es dir genauso.

Erst einmal müssen wir doch festhalten, dass alle in einen Topf geworfen werden. Die, die vollwertig essen, mit komplexen Kohlenhydraten und die, deren Beilagenteller überfüllt ist, die kaum Gemüse essen, gerne Fertigprodukte verzehren oder mittags in die Kantine gehen. Es wird gar nicht differenziert.

Kohlenhydratanteil verringern... was eine Aussage. Gemüse enthält auch Kohlenhydrate. Pizza und Porridge werden einfach mal in einen Topf geworfen. Also, um was geht es jetzt wirklich?

Der Punkt ist doch: 

Wenn du kaum Gemüse isst, deine Mahlzeiten nicht ausgewogen sind und (mal ganz überspitzt gesagt) dein Frühstück aus Marmeladenbrötchen und dein Abendbrot aus Käsebrot besteht, dann ist doch klar, dass der Nährwert und die guten Baustoffe für deinen Körper fehlen. Brauchst du da die Vorgabe „Low Carb“, damit du merkst, dass das ggf. wenig Sinn ergibt? Ich denke nicht.  

Ich würde es eher so betiteln: Schieß dich nicht täglich mit minderwertigen, schnell verfügbaren Kohlenhydraten ab.


Du kannst deinen Blutzuckerspiegel auch konstant halten, wenn du Kohlenhydrate isst und das verteufelte Insulin ist tatsächlich auch ein wichtiges Hormon. Mir liegen diese ganzen Verallgemeinerungen immer quer im Magen.

Die Frage ist doch, warum du dich überhaupt einschränken solltest oder quälst du dich etwa gerne?

 

Mengenangaben bei Low Carb

Die Kohlenhydratgrenze bei einer Low Carb-Ernährung kann je nach individuellem Plan und persönlichen Zielen variieren. In der Regel gibt es jedoch allgemeine Richtlinien, an denen man sich orientieren kann:

  1. Moderate Low Carb: Bei dieser Variante liegt die tägliche Kohlenhydratzufuhr bei etwa 100-150 Gramm. Angeblich ist diese Menge ist für diejenigen geeignet, die sich langsam an eine kohlenhydratreduzierte Ernährung gewöhnen möchten oder eine weniger strenge Form von Low Carb verfolgen.

  2. Strict Low Carb: Hier beträgt die tägliche Kohlenhydratzufuhr etwa 50-100 Gramm. Diese Variante ist für diejenigen geeignet, die stärker auf ihre Kohlenhydrataufnahme achten möchten, sich jedoch nicht extrem einschränken wollen.

  3. Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine sehr strenge Form der Low Carb-Ernährung, bei der die tägliche Kohlenhydratzufuhr auf etwa 20-50 Gramm beschränkt wird. Diese Ernährungsweise fördert die Bildung von Ketonkörpern, die als alternative Energiequelle für den Körper dienen, wenn Glukose knapp ist. Die ketogene Diät kann bei bestimmten medizinischen Bedingungen oder zum schnellen Gewichtsverlust angewendet werden, ist aber nicht für jeden geeignet.

Low Carb Küche

Ich hoffe, du hörst es schon raus: Spaß und Genuss gehen anders.

Und ich sage dir eines, in meiner Welt ist jeder Plan mit weniger als 150 Gramm Kohlenhydraten vollständig untauglich, um dir deine Hormongesundheit zurückzugeben!

Mir geht es geht nicht um die Kohlenhydrate selbst, sondern um die Kohlenhydratquelle und die Zusammensetzung mit den anderen Makronährstoffen. Und niemand sagt dir, dass diese Low-Carb-Diäten allein wenig weiterhelfen und extrem rückfällig machen.

 

Was passiert bei Low Carb im Körper?

Die Kohlenhydratspeicher sitzen in den Muskeln. Und sind nichts anderes als Zuckermoleküle. Zuckermoleküle binden Wasser, dadurch hast du unter anderem auch eine schöne Spannkraft unter der Haut und in den Muskeln. Lässt du nun die Kohlenhydrate in dem Maße weg, wie es bei diesen Diäten vorgesehen ist, dann sinkt logischerweise dein Zuckerspeicher in den Muskeln. Und da der ja Wasser speichert, verlierst du automatisch Wasser.

Du stellst dich auf die Waage, siehst, dass du nach wenigen Tagen schon einen Gewichtsverlust hast, der dich glücklich macht und für dich ist alles schick.

Aber was passiert eigentlich in dir? Du hast Wasser verloren. Aber nicht ein Gramm Fett. Gratulation.

Jetzt fehlt dem Körper natürlich unser toller Energielieferant, die Kohlenhydrate. Da du die weglässt, isst du jetzt vielleicht etwas mehr Eiweiß, aber erfahrungsgemäß nicht genug, und natürlich mehr Fett, damit du auch schön satt wirst. Versteh mich nicht falsch, Fett ist etwas Gutes, aber wenn du noch mehr davon isst und ja selbst einiges auf den Hüften hast, was, denkst du, baut der Körper ab? Das an deinem Bauch? Eher nicht… 

 

Was macht der Körper? Nun ja, der geht nicht gerne ans Fett. Der kennt dich schon. Meist gibst du ihm nicht genug zu essen, wenn doch, dann häufig das Falsche und er ist im Dauerkriegsmodus. Genetisch weiß er aber, Fett ist seine Reserve für Kriegszeiten. Also geht er da nicht gerne ran. Das ist auch viel aufwendiger, als Muskeln abzubauen. An Muskeln kommt er unkompliziert ran. Also baut er lieber Muskeln ab. Vor allem, wenn du nicht gezielt dagegen arbeitet.

 

Was passiert bei Low Carb auf der Waage?

Nach 2 Wochen sind 6 Kilo Gewicht runter. Du jubelst! Ich sage dir: Es sind 4 Kilo Wasser und 2 Kilo Muskeln. Ich juble also nicht. Muskeln sind deine Stoffwechselmotoren. Sie erhöhen deinen Grundumsatz. Auch, wenn du schläfst. Und du hast sie dann abgebaut. Gratulation. Ja, aber das ist nur vorübergehend, sagen mir dann die Keto-Fans. Man kommt in die Ketose und gewinnt Energie aus dem Körperfett und dann ist alles gut.

Low Carb Gewichtsverlust

 

Wenn das so gesund ist, warum empfiehlt dir nicht mal ein Experte für ketogene Ernährung, dauerhaft in dieser Kohlenhydratunterversorgung zu bleiben? Genau. Weil es nämlich nicht gesund ist.

Meinst du, schlecht gelaunt zu sein, weil dir Kohlenhydrate fehlen, sozial nicht mehr integrierbar, weil du nichts mitessen kannst und aus dem Mund und durch die Poren nach Ammoniak stinken, weil du in der Ketose bist, sei erfrischend? Naja, jedem seine Meinung. Aber ich hab’ keine Lust, mich zu foltern, denn Essen ist für mich tatsächlich Genuss und Lebensqualität.

Und übrigens: Fakt ist, dass du auch in die Ketose kommen kannst, wenn du Kohlenhydrate isst. Also wozu das ganze Drama?

 

Was passiert nach einigen Wochen Low Carb?

Nach 4 Wochen dieser Tortur ist deine Energie vollständig im Keller. Ich behaupte, sie wäre es vorher schon gewesen, aber da die Zahl auf der Waage mehr liebst, als du in dich hineinspüren kannst, ist es dir nicht aufgefallen.

Zusätzlich hast du in 4 Wochen eine Menge Muskeln abgebaut, aber das sind eigentlich die, die für dich arbeiten. In allen Lebenslagen.

Nehmen wir an, du hattest vor Beginn dieser Diät einen Grundumsatz von 1800 kcal, dann hast du vielleicht nach dieser lustigen Diät noch einen Grundumsatz von 1400 kcal. Ich mach’ das jetzt mal ganz plakativ. Was passiert, wenn du wieder normal isst? Du ahnst es schon. Du isst wieder 1800 kcal, kannst aber nur 1400 kcal verbrennen. Jo-Jo-Effekt. Juhu. Du nimmst zu. Es ist aber nicht so, dass du einfach nur Wasser einlagerst und Muskeln wieder aufbaust. Die Muskeln kommen nicht ohne jede Anstrengung zurück. An die Stelle wird einfach Fett eingebaut.

Das sind dann die überschüssigen Kalorien, weil du deinen Stoffwechsel ruiniert hast.

Damit du es dir auf der Zunge zergehen lassen kannst: 400 kcal mehr am Tag sind 10.000 kcal im Monat. Also jeden Monat über 1 Kilo Fett.

Und da wir ja noch beim Thema Abnehmen sind: Was tut die unbewusste Frau? Richtig, die nächste Diät. Denn sie wollte ja abnehmen und nicht zunehmen und es hat ja anfangs super geklappt mit Low Carb.

Erkennst du die Falle? Ich hoffe es zumindest.

Und ich kann dir auch sagen, wie du dich fühlst, wenn du zu eher drastischen Mitteln greifst: Ausgelutscht und ohne Energie in einem schwammigen Körper.

Oder höflich ausgedrückt: Du fühlst dich etwas unwohl. Es geht nicht um die Kohlenhydrate! Es geht um die gesamte Zusammenstellung deines Essens.

 

Abnehmen als einziges Ziel

Abnehmen, abnehmen, abnehmen… um jeden Preis. Gewichtsabnahme wird immer an erster Stelle genannt. Dabei hast du dir das Gewicht doch gründlich erarbeitet - ob du das nun vorher beurteilen konntest oder nicht.

Ich sage dir eines: Würdest du dich pudelwohl fühlen, schlank sein und volles Haar haben und dein Arzt würde dir sagen, dass du Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion hast, es würde dich vermutlich nicht großartig interessieren. Und das ist genau das Problem. 

 

Wenn ich eine solche Diagnose bekomme und mal kurz schaue, was das überhaupt bedeutet, dann ist mein erster Impuls, meine Organe wieder fit zu bekommen und nicht das Abnehmen.

Abnehmen ist immer ein Abfallprodukt eines gesunden Körpers, also auch einer gesunden Lebensweise und einer gesunden Ernährung. Also bitte wach auf!

Viele Wege führen nach Rom und Low Carb oder ketogen sind nichts für eine langfristige Gewichtsabnahme, wenn du gar nicht genau weißt, was du tust, weil du allein rumdokterst. Du machst doch auch nicht dein Computer-Gehäuse auf, ziehst ein paar Stecker raus, stöpselst was um und erwartest, dass der sich noch einschalten lässt. 

 

Also: Warum isst du so gerne Kohlenhydrate? Warum isst du gerne ungesunde Sachen? Warum greifst du zu Süßigkeiten? Weil deinem Körper wichtige Baustoffe fehlen und dein Gehirn nur eine Meldung kennt: Hunger. Leider sagt es dir nicht genau, was ihm fehlt. 

 

Ich möchte dich nicht enttäuschen, aber lass dir gesagt sein, ob viel Fett und wenig Kohlenhydrate oder umgedreht. Es funktioniert beides, wenn du abnehmen willst.

Aber wie lange hältst du was durch? Ist es eine Ernährung, die zu dir passt, die für dich richtig lecker isst und wo du auch das erforderliche Maß an Flexibilität hast? Wenn du ehrlich zu dir bist, dann kann ich deine Antwort erahnen.

 

Hormone benötigen Kohlenhydrate

Kommen wir zu dem eigentlich wichtigen Teil, der gerne hinten rüber fällt: Du brauchst Kohlenhydrate für deine Hormone. 

 

Wir sprachen vorhin über die Energielosigkeit, die dich bei einer kohlenhydratarmen Ernährung überkommt. Je nach individueller Veranlagung kommt die sogar rasch. Vor allem, wenn du so etwas zu lange bzw. falsch praktizierst.

Woher kommt sie? Ganz einfach. All deine Hormone haben ein Hormongrundgerüst. Extrem vereinfacht gesagt, ist das immer dasselbe und welches Hormon am Ende dabei rumkommt, ergibt sich durch den entsprechenden Eiweißanhang. Dieses Grundgerüst hat eine Ausgangssubstanz und die ist Cholesterin.

Und wenn wir in so ganz heruntergebrochenen Erklärungen bleiben, dann wird Cholesterin aus Fett und Kohlenhydraten gebastelt. Jetzt isst du kaum noch Kohlenhydrate. Was passiert mit deinen Hormonen? Mit deiner Libido? Mit deinem Antrieb, deiner Willensstärke, deinen Glücksgefühlen? Genau. Das ist nicht erstrebenswert - finde ich zumindest.

Und am Ende arbeiten alle Hormone und Hormondrüsen Hand in Hand. Dein ganzer Körper ist doch ein perfekt abgestimmtes Werk. Ein absolutes Wunder. Also gib ihm doch das, was er braucht und lass nichts komplett weg.

Hätte die Natur gewollt, dass wir keine Kohlenhydrate essen, dann würden wir das wissen und spüren. 

 

Fazit

Es ist die falsche Ernährung, die dich krank macht. Es ist eine Mangelernährung, die dich krank macht. Es ist ein Überessen, das dich krank macht. Aber doch nicht die Kohlenhydrate an sich.

Dein Gehirn braucht Kohlenhydrate. Auch am Abend. Vergiss dieses Märchen von abends keine Kohlenhydrate. Nachts wird alles regeneriert, repariert, und in Auftrag gegeben, was dich über den Tag bringt. Da kannst du doch nicht einfach was weglassen. 

Also zerstöre dir deinen Körper nicht mit Diäten jeglicher Art. Und in meinen Augen sollte nicht Abnehmen dein Ziel sein, sondern gesund werden. Schlank und krank ist doch keine Lösung, oder?

 

Wenn du gesund werden willst und deine Schilddrüse in den Griff bekommen möchtest, dann schau dir meinen Onlinekurs Ernährungsfundament an. Dort zeige ich dir, wie du dich individuell ernähren kannst, ohne deine Hormone zu beeinträchtigen.

Die Ernährung ist das A und O. Wenn das nicht sitzt, dann wird es schwer. Wir essen schließlich jeden Tag. 

Also setze dich keiner Trenddiät aus, sondern geh den schlauen Weg - und der ist immer ganzheitlich.

Über die Autorin

Nadine Kranz ist Expertin für Schilddrüsen- und Hormongesundheit. Sie begleitet Betroffene dabei, ihre Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion auf natürlichem Weg aktiv zu verbessern, damit sie wieder Energie haben.

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