Hallihallo, schön, dass du wieder dabei bist.
Heute starte ich mit einer Frage, die ich immer wieder höre: Was soll ich machen, wenn ich wirklich alles versucht habe und es trotzdem nicht reicht?
Glutenfrei seit Monaten, Selen eingenommen, Vitamin D, Omega 3, Darmflora aufgebaut, Tablette pünktlich eingenommen, Schlaf priorisiert. Du hast quasi alle Ratschläge umgesetzt, die es so gibt, und du spürst: Reicht nicht, klappt nicht.
Da muss ja noch irgendwas anderes sein. Etwas, das diese ganzen Maßnahmen irgendwie untergräbt.
Dann ist das hier die Folge, die du brauchst, weil wir natürlich dahin schauen, wo viele aufhören hinzuschauen.
Warum es keine universelle Hashimoto-Diät gibt
Zuerst mal die schlechte Nachricht, und ich kann es echt nicht mehr hören: Es gibt keine universelle Hashimoto-Diät, die für alle funktioniert. Sorry, not sorry.
Ich weiß, das ist nicht die Antwort, die du dir erhofft hast, aber es ist die Wahrheit. Wenn ich diesen Mist immer lese, bekomme ich Puls. Du weißt sicher, wovon ich spreche. Glutenfrei, laktosefrei, Autoimmunprotokoll-Diät, Low-Food-Map.
Für manche Menschen macht das einen riesigen Unterschied. Ob jetzt wirklich oder nur der Glaube die Berge versetzt, lasse ich mal dahingestellt sein. Denn einige dieser Varianten können durchaus auch zu Nährstoffmängeln führen, die dich noch kränker machen auf lange Zeit.
Andere Menschen testen sowas und merken: Es ändert sich kaum was.
Genau. Woran liegt das? Na, an dir. An deiner individuellen Situation, deinem Darm, deiner Genetik, deinem Stresslevel, deinen Nährstoffmängeln, deinem Leben. Alles spielt rein.
Und wer dir verspricht, dass diese eine Ernährung Hashimoto halt, dem würde ich mal ganz genau zuhören, bevor ich irgendetwas kaufe.
Was trotzdem für viele einen Unterschied macht, sind ein paar wichtige Punkte. Ich kann dir jetzt zwar keine Einheitslösung für alles liefern. Denn wenn du mich kennst, weißt du: Ich arbeite hochgradig individuell, weil es individuell sein muss.
Aber es gibt ja Bereiche, die ich immer wieder anspreche, weil sie bei vielen Kundinnen eine Schlüsselrolle spielen.
Die Darmgesundheit als Fundament bei Hashimoto
Punkt 1: natürlich der Darm. Und ich sage das ja nicht, weil das immer mehr Trend ist. Dafür mache ich das schon viel zu lange. Ich sage das, weil die Forschung und natürlich auch meine praktische Erfahrung beide in diese Richtung zeigen.
Ein durchlässiger Darm, oft auch Leaky Gut genannt, steht bei vielen Autoimmunerkrankungen im Zusammenhang mit einem überaktiven Immunsystem. Hinzu kommt: Als ich früher von Dünndarmfehlbesiedlung sprach, wurde ich immer ganz skeptisch angeguckt. Heute wissen schon sehr viele, was eine SIBO ist. Das ist ja das schicke heutige Wort dafür. War schon immer ein Problem, aber heute können wir es in Teilen besser messen.
Und auch davon sind viele betroffen, ohne es zu wissen. Erst vor kurzem war ein Mann bei mir im Darmcheck mit einem negativen SIBO-Test und einem Haufen Probleme. Als ich ihm dann sagen musste, dass der Test gar nicht negativ ist, so wie er aussieht, und ich ihn dann erstmal zum Gastroenterologen geschickt habe, ja, da war die Überraschung groß. Gleichzeitig habe ich ihm direkt alles Nötige zur Unterstützung seines Darms durch eine angepasste Ernährung mitgegeben.
Also Sachen sind manchmal mit einem geschulten Auge auch nochmal etwas anders, als auf dem Papier, wenn man sie selbst interpretieren möchte. Und es ist wirklich wichtig: Dein Darm ist buchstäblich die Schnittstelle zwischen deiner Außenwelt und deinem Immunsystem. Wenn diese Barriere nicht intakt ist, kann das dazu beitragen, dass dein Immunsystem überreagiert. Und das hat Auswirkungen.
Das bedeutet nicht, dass du mit einem perfekt aufgebauten Darm automatisch ein nagelneues Immunsystem bekommst. Aber den Darm zu unterstützen durch echtes Essen, weniger verarbeiteten Kram, ausreichend Ballaststoffe, Stressreduktion und noch einige andere Punkte. Das ist in meinen Augen fast immer eine sinnvolle Grundlage.
Nährstoffmängel bei Hashimoto erkennen und beheben
Punkt 2: Die Nährstoffe. Ob jetzt Selen, Zink, Vitamin D, Magnesium, diese Mikronährstoffe tauchen in der Hashimoto-Community ständig auf. Und natürlich nicht ohne Grund. Aber ich sage dir ganz klar: Ich empfehle keine Supplementierung ohne vorherige Laboranalyse.
Weil zu viel Selen zum Beispiel schaden kann. Weil Jod, obwohl es für die Schilddrüse wichtig ist, bei Hashimoto manchmal problematisch wird, vor allem, wenn die Autoimmunaktivität gerade zu hoch ist. Bei vielen anderen Stoffen ist ein balancierter Wert wichtig. Und noch wichtiger ist die Balance der Werte zueinander.
Wenn du jetzt auf deinem Laborzettel siehst: „Oh, Selen ist zu hoch“, heißt das nicht zwangsläufig, dass du zu viel Selen eingenommen hast. Das sind ja alles Sachen. Das ist wahnsinnig viel Wissen, wahnsinnig viele Zusammenhänge und sehr, sehr viel Kontext untereinander.
Das, was ich dir auf jeden Fall mitgeben kann, ist: Lass deine Werte checken. Nicht raten, messen.
Ich erlebe es immer wieder: Es wird viel Geld ausgegeben für Sachen, die nicht funktionieren. Es wird viel Geld ausgegeben für Sachen, die gar nicht benötigt werden. Es werden Tests durchgeführt, die dann ganz komische Ergebnisse ergeben. Und darauf werden Maßnahmen aufgebaut. Es ist zum Haare raufen. Du möchtest nicht wissen, was ich alles sehe.
Chronischer Stress als unsichtbarer Hashimoto-Faktor
Gut, Punkt 3: Stress. Ich weiß, das klingt abgedroschen. Aber der chronische Stress ist ein echter Immunsystem-Turbo. Nur leider in die falsche Richtung.
Dein Nervensystem und dein Immunsystem sprechen ständig miteinander. Was dich dauerhaft unter Druck setzt, was auch immer es ist, zeigt sich irgendwann auch in deinen Entzündungsmarkern. Das ist kein Voodoo, das ist Physiologie.
Der blinde Fleck: Authentizität und innere Wahrheit
Und lass uns jetzt zu dem Punkt kommen, über den kaum jemand spricht.
Ich hatte eine Kundin top aufgestellt, was Ernährung angeht. Also ernsthaft, die hat sich besser ernährt als die meisten Menschen, die ich kenne, und sogar besser als ich selbst. Sie hat ihre Supplemente eingenommen, ihren Darm gepflegt, alles dokumentiert. Das war wirklich vorbildlich, aber sie kam nicht von der Stelle.
Als wir tiefer geschaut haben, war das Bild klar. Sie lebte in einem Leben, das überhaupt nicht zu ihr passte. Seit Jahren. Sie hat funktioniert, aber komplett gegen ihre eigene Natur. Die Beziehung stimmte irgendwie nicht, der Job war ein dauerhafter Kompromiss. Die Dinge, die ihr wirklich wichtig waren, lagen irgendwo hinten an.
Ja, sie hat das nicht dramatisch wahrgenommen. Sie hat einfach weitergemacht. Geht ja allen irgendwie so. Die meisten sind unzufrieden, also hat sie dem kaum Beachtung geschenkt. Und genau das ist der Punkt.
Es gibt nämlich diesen Faktor, der größer ist als die Selendosierung oder glutenfrei essen. Wenn dein Nervensystem permanent in Überlebensmodus ist, nicht weil du jetzt in echter Gefahr bist, sondern weil du jahrelang gegen dein eigenes inneres Erleben ankämpfst, dann produziert dein Körper Stresshormone. Dauerhaft, unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.
Diese Stresshormone haben direkten Einfluss auf dein Immunsystem, auf deine Entzündungsbereitschaft, auf deine Hormone und natürlich auch auf deine Schilddrüse.
Ich sage manchmal: Die Schilddrüse fragt, ob du deine Wahrheit lebst, ob du sie sprichst. Ja, das klingt groß, vielleicht auch zu groß für einen Podcast. Aber ich habe das ja selbst alles erlebt und es war für mich einer der echten Game Changer.
Also jetzt nicht als Konzept, sondern ganz konkret: Wenn du Dinge dauerhaft schluckst, die du eigentlich aussprechen müsstest, wenn du Rollen spielst, die nicht zu dir passen, wenn du dich dauerhaft Situationen unterordnest, die dich einfach einengen und einsperren. Wenn du keine Grenzen ziehst, weil du gelernt hast, dass das unangenehm wird, dann hat das alles einen Preis und der Körper zahlt ihn.
Bei meiner Kundin griff erst dann alles andere, als diese Muster aufgedeckt wurden. Als sie verstand, warum sie so lebte, wie sie lebte, als sie anfing, das zu verändern. Dann und wirklich erst dann wirkten auf einmal Ernährung, Nahrungsergänzung und alle anderen Maßnahmen wirklich, und zwar vollständig.
Die unbewussten Muster erkennen
Diese blinden Flecken, ob das jetzt Konditionierungen sind, die Selbstsabotage-Schleifen, die emotionalen Muster, die sieht man in den seltensten Fällen selbst. Ging mir auch so.
Und das liegt nicht daran, dass man nicht intelligent genug ist, sondern sie sind einfach Teil des eigenen Systems, der eigenen Welt. Ein Fisch sieht ja auch nicht das Wasser. Oder wie sagen wir immer so schön: Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Das Gewichtsthema ist dafür übrigens ein gutes Beispiel. Wenn der Stoffwechsel durch ein chronisch überlastetes System gebremst wird, kannst du dich noch so diszipliniert ernähren. Es bleibt schwer, nicht weil du etwas falsch machst, sondern weil die eigentliche Ursache woanders liegt.
Und Crash-Diäten machen das in diesem Zustand noch viel schlechter und niemals besser. Sie stressen den Körper zusätzlich. Cortisol steigt, Entzündungen steigen. Es dreht sich im Kreis, solange man nicht weiß, wo man anfangen soll.
Das ist ja auch einer der Gründe, warum Frauen, die ich in der Vitalanalyse begleite, immer wieder sagen: „Ich wusste nicht, dass das alles zusammenhängt.„
Natürlich haben sie recherchiert, sie waren bei Ärzten, sie haben sich informiert, aber sie hatten kein Gesamtbild. Und die Fragen, die wirklich wichtig sind für ihre spezifische Situation, konnten sie ja allein gar nicht stellen, weil man ja auch erstmal wissen muss, wonach man fragen soll.
Und wir beide wissen, dass Ärzte so gar nicht arbeiten können. Das ist ja auch überhaupt nicht ihr Fachgebiet.
Das Gesamtsystem erfassen und verstehen
Was passiert in so einer vitalen Analyse? Wir schauen nicht nur auf einzelne Symptome oder Werte, wir schauen auf das System, auf die Wechselwirkungen, auf das, was unter der Oberfläche liegt und dazu geführt hat, dass der Körper so reagiert, wie er reagiert.
Und das schließt natürlich die körperliche Ebene ein, also Ernährung, Nährstoffe, Blutwerte, Darm. Aber es schließt auch die Fragen ein, die über das Blutbild hinausgehen. Also vielleicht, wie du lebst, was dein Nervensystem täglich erlebt, vielleicht auch, ob dein Leben zu dir passt oder ob du schon so lange funktionierst, dass du gar nicht mehr weißt, wie es sich anfühlt, wenn es das tut.
Ist irgendwie schwer zu erklären im Podcast, denn keins dieser Gespräche gleicht ja dem anderen. Es ist halt mega individuell und es braucht ja auch Raum, Tiefe und eine echte Auseinandersetzung.
Und natürlich nicht als letzte Hoffnung, sondern als bewusste Entscheidung. Also als der Schritt, den du machst, weil du genug weißt, um zu wissen, dass du allein nicht alles sehen kannst.
Und falls dir diese Folge etwas mitgegeben hat, teile sie, hinterlasse eine Bewertung, sag jemandem Bescheid, für den das Ganze relevant sein könnte.
Es bleibt dabei: Es ändert sich nicht, du kannst alles ändern, was du willst, aber manchmal braucht man jemanden, der die richtigen Fragen stellt und der zeigt, wo man anfangen könnte.
So, wir hören uns in der nächsten Folge.


