Hey, schön, dass du wieder reinhörst.
Ich starte heute mal direkt mit einer Aussage, die ich wirklich so meine: Wer nur auf die Schilddrüse schaut, sieht nur die Hälfte des Bildes. Bestenfalls.
Und genau das ist der Grund, warum so viele Frauen jahrelang mit Symptomen herumlaufen, die nicht verschwinden, obwohl sie ihre Tabletten nehmen, obwohl die Werte im Normbereich liegen, obwohl sie alles richtig machen, was man ihnen gesagt hat.
Diese Folge ist also für dich, wenn du so bist wie ich und das nicht akzeptierst. Wenn auch du weißt, da ist mehr dahinter. Wenn auch du bei der ersten Aussage „Ihre Werte sind okay“ nicht aufhörst nachzufragen, sondern eher anfängst, tiefer zu graben.
Hashimoto trotz normaler Werte: Die verborgenen Symptome erkennen
Denn, machen wir uns nichts vor, so sieht es ja meist aus: Du funktionierst, gut sogar. Du hast einen Job, der dich fordert, du hast Menschen um dich, die dich brauchen, du bringst Dinge zu Ende. Du bist nicht die Frau, die zusammenbricht. Du bist die Frau, die abliefert.
Aber irgendetwas stimmt nicht, und das weißt du auch schon eine Weile, weil du dich und deinen Körper kennst. Morgens brauchst du einen Moment zu lange, der Kopf springt nicht sofort an, die Energie, die du früher einfach so hattest, ja, die musst du dir heute regelrecht zusammenkratzen.
Du merkst, dass dein Haar etwas dünner wird, dass du frierst, obwohl andere schwitzen, dass du abends zwar müde bist, aber irgendwie nicht richtig einschläfst. Du warst natürlich beim Arzt, du hast Blut abgenommen und das Ergebnis: alles im Normbereich.
Und du nimmst vielleicht schon L-Thyroxin und die Dosis passt, so heißt es. Aber du weißt, dass das nicht alles sein kann. Und ich sag dir eins: Du hast recht.
TSH als indirekter Messwert: Warum ein einzelner Wert nicht ausreicht
Fangen wir mit dem Wert an, der in fast jeder Praxis als ultimativer Maßstab gilt, dem TSH. TSH steht für Thyroidea-stimulierendes Hormon. Es wird von der Hirnanhangdrüse produziert und gibt der Schilddrüse das Signal, mehr Hormone auszuschütten. Soweit ist das ja auch sinnvoll.
Das Problem ist: TSH ist quasi ein indirekter Wert. Er zeigt vor allem, wie dein Gehirn beziehungsweise deine Hirnanhangdrüse die Situation einschätzt. Also ob aus ihrer Sicht genug Schilddrüsenhormon im Blut unterwegs ist. Er sagt dir aber nicht direkt, wie gut die Hormone wirklich in all deinen Zellen ankommen und dort wirken.
Stell dir das wie ein Heizsystem vor: Der Thermostat im Flur zeigt 22 Grad, aber in deinem Arbeitszimmer frierst du. Der Thermostat lügt ja nicht. Er misst nur an der falschen Stelle.
Und genau das passiert, wenn man nur den TSH betrachtet.
FT3, FT4 und Antikörper: Das vollständigere Bild der Schilddrüsenwerte
Ein vollständigeres Bild zeigt dir FT3 und FT4, also die freien, aktiv verfügbaren Schilddrüsenhormone. Es zeigt dir die Antikörper, TPO und auch TG. Und es gibt auch noch Reverse T3, der zeigen kann, ob Hormone zwar produziert, aber nicht richtig genutzt werden.
Ohne zumindest fünf dieser Werte ist das Bild unvollständig. Und das sage ich ja nicht, um Ärzte zu kritisieren, sondern weil du das wissen solltest, wenn du mehr verstehen willst.
Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung: Das stille Feuer im Immunsystem
Und dann haben wir ja, wenn wir tiefer eintauchen, dieses Thema mit den Antikörpern. Und das ist ein Punkt, der wirklich vielen Frauen weiterhilft, wenn sie denn endlich mal darauf hören.
Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, das Problem liegt nicht in erster Linie in der Schilddrüse selbst, sondern im Immunsystem. Es greift die Schilddrüse an, als wäre sie eine Art Fremdkörper.
Das Tückische ist: Dieses stille Feuer kann jahrelang brennen, bevor der TSH überhaupt aus dem Ruder läuft. Wenn du also Symptome hast, aber dein TSH unauffällig ist, dann könnten erhöhte Antikörper trotzdem zeigen, dass da was nicht stimmt.
Ich sage das, damit du verstehst: Du bist nicht verrückt. Dein Körper sendet echte Signale.
Und um es ganz konkret zu machen: Wenn jemand fragt, kann man Hashimoto mit normalem TSH-Wert haben, dann ist meine Antwort: Na klar, absolut.
Die eigentliche Frage: Warum streikt die Schilddrüse wirklich?
Welche Frage aber fast niemand stellt, ist noch viel interessanter. Denn selbst wenn wir das Bild um diese Antikörper erweitern: Es gibt ja eine Frage, die in den meisten Praxen gar nicht gestellt wird. Und die lautet: Warum streikt die Schilddrüse denn eigentlich?
Und das ist relativ einfach: Die Schilddrüse ist ja kein isoliertes Organ, sie ist Teil eines Systems. Und sie ist in diesem System nicht selten die letzte in der Reihe, die kompensiert, wenn andere Stellen schon lange überlastet sind.
Ich hatte eine Kundin, bei der wir genau das wie im Bilderbuch gesehen haben. Ihre Schilddrüsenwerte waren nicht der Ausgangspunkt des Problems. Sie waren das Ergebnis.
Was wirklich dahintersteckte, war eine jahrelange Stressbelastung ihrer Nebennieren, die wirklich stark mitgenommen waren. Und die Schilddrüse hatte die ganze Zeit kompensiert. Sie ist eingesprungen, sie hat ausgeglichen, einfach weil der Körper mega clever ist.
Das Entscheidende dabei ist: Sie hat sich nicht besonders gestresst gefühlt. Das ist ein Punkt, den ich immer wieder anspreche, weil er so wichtig ist.
Körperlicher Stress versus gefühlter Stress: Ein entscheidender Unterschied
Empfundener Stress und körperlicher Stress sind nicht dasselbe. Du kannst äußerlich ruhig wirken, innerlich gerade chillen und trotzdem ein Nervensystem haben, das seit Jahren auf Hochtouren läuft, weil du jahrelang viel geleistet hast, weil du dich um alle gekümmert hast, weil du Dinge ertragen hast, ohne sie wirklich zu verarbeiten.
Das musste diese Kundin erst lernen, und als sie es verstanden hatte, änderte das alles. Denn erst dann wurde klar: Es waren nicht die Schilddrüsenwerte, die in erster Linie behandelt werden mussten, es waren tatsächlich die Nebennieren. Also der Stress, ihr Nervensystem und die Einflüsse dadurch aufs Gesamtsystem.
Die Schilddrüse ist ein Symptom, nicht die Ursache
Deshalb sage ich ja auch so oft: Die Schilddrüse ist ein Symptom und nicht der Täter. Das ist eine meiner zentralen Thesen und ich sage es nochmal ganz klar: Die Schilddrüse ist in den meisten Fällen nicht das eigentliche Problem. Sie ist ein Opfer, sie ist eine Art Zeuge, oder sagen wir, sie ist ein Rauchmelder, wenn man so will.
Und es macht ja wenig Sinn, jahrelang nur am Rauchmelder rumzudrehen, wenn das Feuer an einer ganz anderen Stelle brennt.
Was sich über Jahre und Jahrzehnte aufbaut: die wahren Ursachen
Was die Schilddrüse zeigt, ist oft das Ergebnis von Dingen, die sich über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut haben:
Chronischer Stress, bewusst oder unbewusst. Mikronährstoffmängel, die nie aufgefallen sind. Ein Darm, der nicht gut funktioniert und dadurch die Nährstoffaufnahme blockiert. Schlaf, der nie wirklich erholsam war. Ein Nervensystem, das nie richtig runtergefahren ist.
Ja, jeder dieser Punkte für sich allein wäre vielleicht verkraftbar, aber zusammen über die Zeit erzeugen sie ein Milieu im Körper, in dem die Schilddrüse und auch das Immunsystem einfach nicht gut arbeiten können.
Ich finde, das ist keine schlechte Nachricht. In meinen Augen ist das eine sehr gute Nachricht. Denn wenn das die Ursache ist, dann gibt es dort doch jede Menge Hebel.
Das praktische Vorgehen: Bessere Fragen beim Arzt stellen
Und jetzt fragst du dich bestimmt, was das praktisch bedeutet. Naja, also wenn du das nächste Mal beim Arzt sitzt und er dir sagt, die Schilddrüsenwerte sind in Ordnung, dann kannst du ja ab jetzt differenzierter fragen, weil du besser informiert bist.
Wurden FT3, FT4 und Antikörper gecheckt? Wie sehen die anderen Werte aus? Wie ist zum Beispiel der Vitamin-D-Spiegel, der Ferritin-Wert, Cortisol-Wert? Wie sieht das Gesamtbild aus? Und nicht nur ein einzelner Wert.
Du weißt ja, ich bin keine Ärztin. Ich treffe natürlich keine medizinischen Entscheidungen für dich. Ich darf und ich will das auch überhaupt nicht. Aber ich begleite ja Frauen dabei, diese Fragen zu stellen, den Überblick zu gewinnen, zu verstehen, was ihr Körper wirklich zeigt und was dahintersteckt.
Und ich schaue Werte nicht wie die Schulmedizin an, die dich ja im schlimmsten Fall im Durchschnitt der kranken Bevölkerung noch mit Werten durchgehen lässt. Ich schaue individuell auf Wertebereiche, die dich leistungsfähiger machen und die dir Energie geben.
Und genau dafür gibt es ja auch mein kostenloses Schilddrüsentraining. Es ist quasi der strukturierte Einstieg, wenn du aufhören willst, nur auf einzelne Werte zu schauen, und anfangen willst zu verstehen, wie dein System wirklich funktioniert, was die Schilddrüse braucht, was ihr schadet und wie du anfängst, an den richtigen Stellen zu drehen.
Lass das einfach mal sacken, und wenn diese Folge etwas in dir ausgelöst hat, teile sie. Ob mit einer Freundin, einer Kollegin, jemandem, der schon zu lange auf Antworten wartet.
Und falls du noch nie eine Bewertung für den Podcast dagelassen hast, wäre jetzt ein guter Moment. Es hilft mir, mehr Frauen zu erreichen, denen das hier weiterhilft.
Und wie bei meiner Kundin gilt natürlich auch für dich: Du kannst alles ändern, was du willst. Du musst einfach nur tiefer graben und weiterfragen.
Wir hören uns in der nächsten Folge.



