Hallo, schön, dass du wieder einhörst. Kennst du das? Du nimmst deine Tablette, deine Blutwerte sind perfekt, aber dein Bauch fühlt sich an wie ein aufgeblasener Luftballon. Du bist ständig müde, obwohl du doch eigentlich alles schon richtig machst, und du bemerkst, dass du irgendwie komische Reaktionen auf Lebensmittel zeigst. Nichts Spezifisches, aber irgendwie geht es dir nicht gut nach dem Essen.
Genau darüber möchte ich mit dir sprechen. Diese Woche sind mir drei Artikel über den Schreibtisch geflattert, alle mit einer ähnlichen Botschaft: neue Erkenntnisse, Darmgesundheit ist wichtig für die Schilddrüse. Da muss ich natürlich immer schmunzeln, denn das ist genau das, woran ich seit Jahren arbeite. Das ist ein Kernthema meiner Arbeit und jetzt kommt es immer mehr im Mainstream an.
Ich nehme dich eine Runde mit. Was steht in diesen Veröffentlichungen, die du in der Folge natürlich auch wieder verlinkt findest? Was bedeutet das wirklich für dich? Und wie ist meine Meinung dazu? Starten wir mit einer Studie und ein paar Fakten.
Neue Erkenntnisse zur Verbindung von Schilddrüse und SIBO
Auf einer großen Hormonkonferenz wurde eine Studie vorgestellt, in der Forschende Menschen mit und ohne Schilddrüsenunterfunktion verglichen haben. Sie haben geschaut, wer häufiger SIBO hat. SIBO bedeutet Dünndarmfehlbesiedlung. Das heißt, dass sich im Dünndarm zu viele Bakterien tummeln, die dort nicht hingehören oder dass sich die falschen Bakterien am falschen Ort ansiedeln.
Das Ergebnis ist sehr häufig ein aufgeblähter Bauch. Du hast dann Schmerzen, gekoppelt mit Durchfall oder auch Verstopfung. Selbstverständlich kommt dann eine Einschränkung beim Essen langsam dazu, weil die Verträglichkeit schwierig wird. Es kommen Nährstoffmängel dazu, zum Beispiel Vitamin B12, Eisen und Zink. Je nach Schweregrad kann das richtig übel sein.
Die Forschenden haben 49 Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion und 323 Menschen ohne verglichen. Das Ergebnis: Bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion lag das SIBO-Risiko bei 33 Prozent, in der Vergleichsgruppe nur bei 15 Prozent. Das ist mehr als doppelt so hoch und entspricht einem Faktor von 2,2. Bei Hashimoto liegt der Faktor sogar bei 2,4.
Interessant ist auch, dass die Studie untersucht hat, wie das Ganze bei Menschen aussieht, die L-Thyroxin einnehmen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass das SIBO-Risiko dort deutlich niedriger war. Erst einmal zeigt das: Dein Darm und deine Schilddrüse hängen zusammen. Das war mir schon die ganze Zeit klar und jedem, der meine Kurse und Beratungen durchlaufen hat, natürlich auch.
Wie interpretiert man diese Studie wirklich
Jetzt wird es spannend. Die Frage ist, in welche Richtung dieser Zusammenhang eigentlich läuft. Ich möchte zwei Sichtweisen ansprechen und auch teilen, wie ich das Ganze sehe.
Mich hat sehr stutzig gemacht, dass ein Arzt in einem Artikel mit Bezug auf diese Studie geschrieben hat, ich zitiere: Das legt nahe, dass die Schilddrüsenhormontherapie früh und angemessen eingesetzt nicht nur direkte Beschwerden der Unterfunktion bessern kann, sondern darüber hinaus Vorteile bringt, indem sie verbundene Gesundheitsrisiken reduziert.
Seine Interpretation ist also: L-Thyroxin, früh und angemessen eingesetzt, senkt auch das SIBO-Risiko. Die Tablette schützt vor Darmproblemen. Das ist interessant.
Auf der anderen Seite, und wenn du dich an die letzte Folge erinnerst, gibt es die entgegengesetzte Meinung. L-Thyroxin wird viel zu häufig verordnet, oft ohne echte Notwendigkeit. Diese Studie zeigt zwar einen Zusammenhang, aber reichen diese Zahlen eigentlich aus? Wo führt das Ganze hin?
Für mich reicht das nicht. Ich habe ganz andere Beobachtungen, denn ich arbeite seit Jahren als Expertin für Darmgesundheit. Ich begleite viele Frauen und auch Männer mit SIBO.
Was ich in der Praxis wirklich beobachte
Weißt du, was ich sehe? Ich sehe viele Frauen mit SIBO, die L-Thyroxin nehmen und trotzdem diese Probleme haben. Die Tablette hat ihnen das SIBO-Leid nicht erspart. Ich habe Fälle, die so übel sind, dass ich es nicht einmal als Linderung bezeichnen würde.
Ich sehe auch viele Frauen mit Schilddrüsenproblemen, aber ohne SIBO. Die haben andere Darmthemen, aber keine bakterielle Überwucherung.
Und drittens sehe ich viele Frauen mit SIBO, die überhaupt keine Schilddrüsenprobleme haben. Sie haben SIBO durch ganz andere Faktoren entwickelt, zum Beispiel Antibiotika, Stress, jahrelange Einnahme von Magensäureblockern oder andere Ursachen.
Warum SIBO selten das eigentliche Problem ist
Was bedeutet das? In meinen Augen ist SIBO kein Schilddrüsenthema. SIBO ist noch nicht einmal ein ursächliches Darmproblem. Es ist die Folge von etwas anderem, also einer längeren Schieflage, die der Körper nicht mehr kompensieren konnte. So wie bei vielen Erkrankungen.
Es sei denn, man muss sehr genau hinschauen, dass ein mechanisches Problem vorliegt und die Klappe zwischen Dünndarm und Dickdarm nicht mehr richtig schließt. Dann können Bakterien wandern. Aber es gibt viele verschiedene Ursachen. Das Thema SIBO ist noch relativ frisch und es gibt noch keine großartigen Erkenntnisse. Man lernt fortlaufend dazu.
Die Rolle des Darms für Immunsystem, Hormone und Schilddrüse
Für mich ist klar: Darm und Schilddrüse hängen natürlich zusammen. Das stimmt absolut, aber nicht in der Interpretation, dass eine Tablette Darmprobleme reduziert, wenn man sie nur früh genug nimmt.
Für mich ist es eher so: Der Darm beeinflusst alles, auch die Schilddrüse. Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm. Wenn der Darm gestört ist, ist das Immunsystem aus dem Gleichgewicht. Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift die eigene Schilddrüse an.
Die Richtung ist also: gestörter Darm führt zu gestörtem Immunsystem, führt zu erhöhtem Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto. Ein gestörtes Immunsystem erhöht außerdem das Risiko für Entzündungen, Nährstoffmängel, hormonelle Dysbalancen und SIBO.
Das heißt nicht, dass jede Frau mit Hashimoto automatisch ein hohes Risiko für SIBO hat. Aber der Darm ist das Fundament. Wenn das Fundament wackelt, wackelt alles andere mit.
Was du tun kannst, wenn du SIBO vermutest
Jetzt fragst du dich vielleicht, was du damit machst. Wenn du SIBO hast oder vermutest, dass dein Darm ein Problem hat, mach einen Check. Vor allem bei SIBO reicht es am Anfang oft, die Ernährung komplett umzustellen und zu schauen, was du damit gewinnst.
Dabei geht es hauptsächlich darum, bestimmte Kohlenhydrate zu vermeiden. Du kannst einfach einmal nach FODMAP googeln. Das ist eine mögliche Variante, und es gibt viele verschiedene Formen. Das kann sehr aufschlussreich sein.
Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt zum Beispiel einen Atemgastest, der SIBO nachweisen kann. Eine Stuhlanalyse zeigt, wie es um deine Darmflora steht. Danach braucht es eine individuelle Strategie, denn es gibt verschiedene SIBO-Typen, wie Wasserstoff, Methan oder Schwefelwasserstoff, und sie werden unterschiedlich angegangen.
Ein wichtiger Punkt ist die richtige Ernährung. Bei SIBO sind oft Lebensmittel problematisch, die als gesund gelten, zum Beispiel Vollkorn, Hülsenfrüchte, Kohl und bestimmte andere Gemüse. Sie füttern die falschen Bakterien.
Der Darmaufbau kommt erst viel später, dann mit gezielten Probiotika und entzündungshemmenden Nährstoffen. Nicht jedes Probiotikum ist bei SIBO geeignet.
Warum Stress ein zentraler SIBO-Faktor ist
Der wichtigste Faktor, den die meisten unterschätzen, ist Stressmanagement. Chronischer Stress verlangsamt die Darmbewegung und fördert SIBO. Was verschlimmert chronischer Stress nicht? Ich glaube, da gibt es nichts. Stressmanagement ist medizinisch relevant.
Ich hatte eine Kundin mit massivem Blähbauch. Sie hat seit Jahren ihre Schilddrüsentablette genommen, aber ihr Bauch war aufgebläht wie ein Luftballon und sie konnte kaum noch etwas essen, ohne Schmerzen zu haben. Sie hatte eine Atemgasanalyse gemacht, wir konnten den SIBO-Typ bestimmen, ihre Ernährung anpassen und später ihren Darm Schritt für Schritt aufbauen.
Nach ein paar Monaten waren ihre SIBO-Symptome weg. Ihr Bauch war flach, ihre Energie war zurück und sogar ihre Schilddrüsen-Antikörper waren deutlich gesunken. Nicht durch eine höhere Dosis der Tablette, sondern durch Darmaufbau.
Ganzheitliche Gesundheit und der Blick aufs neue Jahr
Ich freue mich, dass die Forschung die Verbindung zwischen Darm und Schilddrüse immer stärker betrachtet. Sie ist real und wichtig. Gesundheit ist immer ganzheitlich. In Ernährungsformen, die mehrere tausend Jahre alt sind, stehen Darm und Körpermitte schon immer im Fokus.
Wenn du mehr über die Zusammenhänge zwischen Darm, Immunsystem und Schilddrüse erfahren möchtest, dann schau dir mein kostenloses 30-minütiges Videotraining an. Den Link findest du in den Shownotes.
Damit verabschiede ich mich für dieses Jahr von dir. Ich wünsche dir wunderschöne Feiertage, Zeit zum Durchatmen, Zeit mit deinen Liebsten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Der Podcast macht eine kleine Winterpause und wir hören uns im Januar wieder.
Bis dahin pass gut auf dich auf, genieße die Zeit, vor allem wenn du frei hast, und überlege dir einfach einmal, ob 2026 dein Jahr mit Gesundheitsfokus wird.
Wir hören uns in alter Frische in der nächsten Folge.


