Tablette aus türkisfarbenem Licht schwebt über einem aufgefalteten Beipackzettel auf ruhigem Wasser

L-Thyroxin-Nebenwirkungen: Was steckt hinter der Wunderpille?

Eine Wunderpille ist L-Thyroxin nicht. Die häufigsten L-Thyroxin-Nebenwirkungen sind Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen und Nervosität. Laut Fachinformation sind das Zeichen von zu viel Schilddrüsenhormon, meist bei zu hoher Dosis oder zu schneller Steigerung. Müdigkeit und Gewichtszunahme stehen dort nicht. Bleiben sie trotz Tablette, ist das für mich oft ein Zeichen, dass das Hormon nicht da ankommt, wo es wirken soll.

Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Es gibt keins ohne. Und trotzdem läuft es meistens so: Ich habe ein Problem, ich nehme eine Tablette, fertig. Warum es überhaupt zu dem Problem gekommen ist, fragt kaum jemand. Ich möchte, dass du weißt, worauf du dich einlässt, und dass du die Frage nach dem Warum wieder stellst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Fachinformation sind Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen, dazu Herzrasen und Nervosität. Das sind alles Zeichen von zu viel Hormon.
  • Müdigkeit, Gewichtszunahme und Libidoverlust stehen nicht als Nebenwirkung im Beipackzettel. Sie sind eher ein Zeichen, dass die Unterfunktion bleibt.
  • L-Thyroxin ist reines T4. Wirken kann es erst, wenn der Körper daraus T3 macht.
  • In einer Bonner Bevölkerungsstudie war fast jede fünfte Person mit L-Thyroxin überdosiert, obwohl die meisten regelmäßig kontrolliert wurden.
  • Als Spätfolgen gelten vor allem Knochenschwund und Herzrhythmusstörungen, wenn die Dosis über Jahre zu hoch ist, besonders nach den Wechseljahren.
  • In Deutschland bekamen 2019 rund 17 Prozent der Frauen Levothyroxin, den Wirkstoff von L-Thyroxin, etwa 30 Prozent mehr als 2008.

Welche L-Thyroxin-Nebenwirkungen stehen im Beipackzettel?

Laut Fachinformation, der amtlichen Produktinformation für Ärzte und Apotheken, sind Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen sehr häufig, also bei mindestens einer von zehn Behandelten. Häufig sind Herzrasen, Nervosität und eine Überfunktion durch die Tablette. Das sind typische Zeichen von zu viel Schilddrüsenhormon. Sie treten vor allem auf, wenn die Dosis zu hoch ist oder zu schnell gesteigert wird.

Dazu kommt eine lange Liste mit dem Vermerk „Häufigkeit nicht bekannt“. Darin stehen unter anderem Herzrhythmusstörungen, Brustenge, innere Unruhe, Zittern, starkes Schwitzen, Muskelschwäche und Muskelkrämpfe, Durchfall, Übelkeit, Menstruationsstörungen, Gewichtsabnahme, Hautausschlag und allergische Reaktionen (Fachinformation L-Thyroxin Henning).

Und bitte sag mir jetzt nicht, dass das im Beipackzettel ja ganz harmlos aussieht. „Häufigkeit nicht bekannt“ heißt nicht selten. Es heißt, dass sich aus den Daten nicht abschätzen lässt, wie oft es vorkommt. Warum so viel in dieser Rubrik steht, hat für mich auch mit rechtlicher Absicherung zu tun.

Hand aufs Herz, wann hat dich das letzte Mal jemand im Arztgespräch nach Nebenwirkungen gefragt? Ich beschränke Tabletten für mich rigoros auf die Situationen, in denen sie unumgänglich sind. Und ich möchte wissen, was ich da jeden Morgen schlucke.

Lichtpunkte strömen aus einer durchscheinenden Kapsel zu einer leuchtenden Zelle, nur wenige erreichen sie

Sind Müdigkeit und Gewichtszunahme Nebenwirkungen von L-Thyroxin?

Laut Fachinformation nicht. Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme und Antriebslosigkeit sind typische Zeichen einer Unterfunktion. Bleiben sie unter L-Thyroxin bestehen, ist die Dosis zu niedrig, oder das Hormon wirkt nicht dort, wo es gebraucht wird. Manchmal steckt auch etwas ganz anderes dahinter, zum Beispiel ein Nährstoffmangel.

Das ist das, was ich am häufigsten höre. Die Frauen sind total erschöpft, die Beschwerden von vorher sind fast alle noch da, und oft kommt Gewicht dazu. Mit Nebenwirkungen im Sinne des Beipackzettels hat das meistens wenig zu tun.

Und ich sag dir, Müdigkeit, Frieren, Antriebslosigkeit und zusätzliche Kilos können genauso gut von viel zu wenig Essen kommen. Wer zu wenig Energie bekommt, ist müde und antriebslos. Du frierst, weil dein Körper gar nicht mehr genug Wärme erzeugen kann. Und wenn du zu wenig isst, läuft dein Körper über Cortisol, und das kann zu Gewichtszunahme führen.

So sehe ich das aus meiner Arbeit. Untersucht ist dieser Zusammenhang bei Frauen unter L-Thyroxin kaum. Woran du zu wenig Essen erkennst, steht im Artikel über ständige Müdigkeit.

L-Thyroxin ist reines T4 (Thyroxin), die Speicherform des Schilddrüsenhormons. Im Körper wirkt vor allem T3 (Trijodthyronin), und das muss erst aus T4 gemacht werden. So erkläre ich es immer: Die Tablette sagt deiner Schilddrüse nur, dass sie kein T4 mehr produzieren muss. Alles andere, was passieren muss, damit im Körper eine Wirkung eintritt, hat mit der Tablette überhaupt nichts zu tun.

Wie diese Umwandlung funktioniert und was der Körper dafür braucht, habe ich im Artikel über die L-Thyroxin-Alternative ausführlich erklärt.

Dass ein guter Wert des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) nicht automatisch genug T3 bedeutet, zeigt eine große italienische Studie mit rund 1.800 Menschen, denen die Schilddrüse entfernt worden war. Trotz eines TSH im Normbereich lag bei gut 15 Prozent das freie T3 unter dem Normbereich (Gullo 2011). Ob das bei Hashimoto mit eigenem Schilddrüsengewebe genauso ist, wurde dort nicht untersucht.

Selbst die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM), also der Hausärzte, sagt: Bleiben die Beschwerden unter der Therapie bestehen, sollen andere Ursachen geprüft werden, ausdrücklich auch Mangelzustände (DEGAM 2024). Der Endokrinologe Joachim Feldkamp nennt als Beispiel einen Vitamin-B12-Mangel durch eine bestimmte Entzündung der Magenschleimhaut (Feldkamp 2024).

Ob die Tablette selbst dick macht, habe ich in einem eigenen Artikel aufgedröselt: Machen Schilddrüsentabletten dick? Deine eigenen Werte, auch das freie T3 (fT3) und das freie T4 (fT4), ordnest du mit dem Schilddrüsenrechner ein.

Gratis Schilddrüsenrechner

Wie merkst du, dass du L-Thyroxin nicht verträgst?

Der Wirkstoff von L-Thyroxin wird synthetisch hergestellt, ist aber baugleich mit dem T4, das deine Schilddrüse bildet. Beschwerden kommen deshalb meistens von der Dosis, von der Einnahme oder von den Hilfsstoffen in der Tablette. Hautausschlag, Nesselausschlag, Juckreiz oder Schwellungen im Gesicht können auf eine allergische Reaktion hinweisen. Das gehört sofort ärztlich abgeklärt.

Die Tabletten unterscheiden sich nämlich in dem, was außer dem Wirkstoff drinsteckt. L-Thyroxin Henning enthält zum Beispiel keine Laktose (Fachinformation L-Thyroxin Henning), Levothyroxin Abdi rund 66 Milligramm pro Tablette (Fachinformation Levothyroxin Abdi). Wenn du nach einem Wechsel des Präparats plötzlich Beschwerden hast, sprich das beim nächsten Arzttermin an.

In meiner Erfahrung liegt es mindestens genauso oft an der Einnahme. Laut Fachinformation gehört die Tablette auf nüchternen Magen, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Zum Kaffee braucht es eine halbe bis eine Stunde Abstand, zu Eisen- und Calciumpräparaten mindestens zwei Stunden. Magenschutzmittel können die Aufnahme senken, die Pille oder Hormone in den Wechseljahren können den Bedarf erhöhen.

Und hast du dir mal die Wechselwirkungen mit deinen anderen Medikamenten angesehen? Ich sag dir, lies dir das mal in Ruhe durch.

Gerade bei Eisenmangel und Schilddrüse ist der Abstand zwischen Eisen und L-Thyroxin ein Thema, das im Alltag gern untergeht. Mehr zu Zeitpunkt und Abständen findest du im Artikel zur Einnahme von L-Thyroxin.

Was passiert, wenn L-Thyroxin zu hoch oder zu niedrig dosiert ist?

Ist die Dosis zu hoch, gerät der Körper in eine Überfunktion mit Herzrasen, Unruhe, Schlafstörungen, Schwitzen und Gewichtsverlust. Ist sie zu niedrig, bleiben Müdigkeit, Frieren und Antriebslosigkeit. Vor allem „zu viel“ kommt häufiger vor, als man denkt. In einer Bonner Bevölkerungsstudie war fast jede fünfte Person mit L-Thyroxin überdosiert.

Was du merkstEher zu viel HormonEher zu wenig Hormon
HerzHerzklopfen, Herzrasen, Herzstolperneher langsamer Puls
Schlaf und StimmungSchlaflosigkeit, Nervosität, innere UnruheMüdigkeit, Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung
KörperSchwitzen, Zittern, GewichtsabnahmeFrieren, Gewichtszunahme
VerdauungDurchfalleher Verstopfung

Die Tabelle ist eine Orientierung. Was bei dir los ist, zeigen nur deine Blutwerte und ein Arztgespräch.

In der Rheinland-Studie mit 2.938 Erwachsenen aus Bonn nahm jede dritte Frau L-Thyroxin. 18 Prozent aller, die es nahmen, hatten einen zu niedrigen TSH-Wert und waren damit überdosiert (Alaeddin 2023). Dabei ließen rund 60 Prozent ihre Werte regelmäßig kontrollieren. Ab 70 war eine Überdosierung viermal so wahrscheinlich, und die letzte Dosisanpassung lag im Schnitt sechs Jahre zurück.

Bei meinen Kundinnen sieht das anders aus. Eigentlich wird ja empfohlen, die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen. Seien wir mal ehrlich, das passiert häufig nicht, meist noch nicht mal jährlich. Das höre ich immer wieder, und für mich ist das unvorstellbar.

Die Leitlinie der Hausärzte sieht vor, die Werte frühestens acht Wochen nach jeder Dosisänderung zu kontrollieren, dann halbjährlich und bei stabiler Einstellung jährlich (DEGAM 2024). Wenn bei dir seit Jahren niemand mehr nachgeschaut hat, frag nach. Wie so ein Weg mit L-Thyroxin über die Jahre aussehen kann und wann du nachfragen solltest, kannst du hier durchtippen.

Dein Weg mit L-Thyroxin über die Jahre

Tippe dich durch die Stationen. Bei jeder steht, worauf du achten kannst und was du beim Arzttermin fragen kannst.

    Frag nach:

    Der Zeitstrahl ist eine Orientierung und ersetzt keine Untersuchung. Nichts davon wird gespeichert oder verschickt. Deine Dosis änderst du bitte immer nur ärztlich begleitet.

    Welche Spätfolgen kann L-Thyroxin haben?

    Als Spätfolgen von L-Thyroxin gelten vor allem Knochenschwund und Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern. Beides hängt an einer Dosis, die über Jahre zu hoch ist. Die Fachinformation warnt ausdrücklich vor Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren. Bei richtig eingestellten Werten fand eine große britische Studie dagegen kein erhöhtes Risiko.

    Feldkamp schreibt, dass TSH-Werte unter 0,3 vermieden werden sollten, weil dann das Risiko für Vorhofflimmern und für den Verlust von Knochendichte deutlich steigt. Das gilt besonders für Ältere und für Frauen nach den Wechseljahren (Feldkamp 2024). Für Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko verlangt die Fachinformation die niedrigste wirksame Dosis und häufigere Kontrollen.

    Warum die Wechseljahre für die Schilddrüse sowieso eine eigene Phase sind, steht im Artikel über Schilddrüsenunterfunktion und Wechseljahre.

    Zu wenig ist aber auch nicht harmlos. Eine britische Studie mit über 162.000 Menschen mit Unterfunktion fand im Normbereich keine erhöhten Risiken für Herz, Knochenbrüche oder Sterblichkeit. Bei einem TSH über 10, also deutlich zu wenig Hormon, gab es dagegen mehr Herzschwäche, mehr Knochenbrüche und eine höhere Sterblichkeit (Thayakaran 2019).

    Auch ein sehr niedriger TSH unter 0,1 ging mit einer etwas höheren Sterblichkeit einher, ein höheres Risiko für Vorhofflimmern fand diese Studie dabei allerdings nicht. Die Daten sind beim Herzen also nicht einheitlich.

    Und dann treibt mich noch etwas um. Immer wenn ich dem Körper etwas von außen gebe, stellt er die eigene Produktion ein, er ist ja versorgt. Wer über Jahre L-Thyroxin nimmt, bei dem fährt die Schilddrüse in meinen Augen ihre Arbeit immer weiter herunter und wird mit der Zeit kleiner.

    Muskeln, die ich nicht benutze, werden auch abgebaut. Auf lange Sicht ist das nicht förderlich für die Schilddrüse. Das ist meine Einschätzung aus der Beratung, belegt ist es in dieser Form nicht.

    Wer mit 40 anfängt, nimmt die Tablette vielleicht 40 Jahre lang. Da zählt der Blick auf die nächsten Jahrzehnte mehr als der nächste Laborwert, also Knochen, Herz und deine Energie im Alter.

    Warum bekommen so viele Frauen L-Thyroxin?

    Ein Grund ist, dass oft schon ein leicht erhöhter TSH-Wert zu L-Thyroxin führt. Laut Abrechnungsdaten von vier gesetzlichen Krankenkassen bekamen 2019 rund 17 Prozent der Frauen in Deutschland Levothyroxin, etwa 30 Prozent mehr als 2008. Bei Frauen ab 75 war es mehr als jede vierte. Die Forschenden halten Übertherapie für eine mögliche Erklärung.

    Ausgewertet wurden die Daten von rund 25 Millionen Versicherten (Thiyagarajan 2024). Im selben Zeitraum wurde der TSH-Wert auch deutlich häufiger gemessen. Die Forschenden vermuten: Wer mehr misst, findet bei festen Grenzwerten eben auch mehr auffällige Werte.

    Es ist toll, dass wir L-Thyroxin haben. Wenn es erforderlich ist, müssen wir es einnehmen. Das ist ein Geschenk. Nach einer Schilddrüsenentfernung oder bei einer echten Unterfunktion führt kein Weg daran vorbei.

    Bei einem leicht erhöhten TSH-Wert mit normalem fT4, der sogenannten subklinischen oder latenten Unterfunktion, sieht es anders aus. Eine internationale Leitlinie im British Medical Journal rät hier ausdrücklich von L-Thyroxin ab. In 21 Studien mit fast 2.200 Teilnehmenden besserte die Tablette weder Beschwerden noch Müdigkeit oder Lebensqualität spürbar (Bekkering 2019). Der TSH-Wert sinkt, gefühlt ändert sich nichts.

    Die deutsche Leitlinie der Hausärzte nennt die Überversorgung bei latenter Unterfunktion „gesichert“, bis zu ein Drittel bleibt nach dem Absetzen normal (DEGAM 2024). Bemerkenswert finde ich: Selbst ein Endokrinologe, der Honorare von Herstellern bekommt, schreibt im Deutschen Ärzteblatt, dass die Indikation regelmäßig überprüft werden soll und ein Absetzen in vielen Fällen möglich ist (Feldkamp 2024).

    Bitte nie auf eigene Faust, nur mit ärztlicher Begleitung.

    Mindestens 4,8 Millionen Menschen in Deutschland bekommen Schilddrüsenhormon (DEGAM 2024). Damit lässt sich natürlich auch gut Geld verdienen. Hab das mal im Hinterkopf.

    Und wenn du recherchierst, dann bitte in vernünftigen Quellen. Wie finanziert sich Google? Richtig, mit Werbung. Wer schaltet unter anderem Werbung? Die Pharmaindustrie. Also, was steht wohl auf Seite eins, wenn du nach deinem Medikament suchst? Genau.

    Für mich ist das auch eine Nebenwirkung, nämlich eine des Systems. Wer eine Tablette nimmt, die er nicht braucht, hat alle Risiken und keinen Nutzen davon.

    Was ich in der Praxis sehe: „Ihre Werte sind gut“

    Bei Beschwerden unter L-Thyroxin wird in meiner Erfahrung selten die Dosis verändert, und wenn, dann meistens nach oben. Das Präparat wird noch seltener gewechselt. Stattdessen hören die Frauen in der Regel einen Satz: „Ihre Werte sind gut.“ Die Laborwerte sind gut, also ist alles gut. Und dann fühlen sie sich nicht gehört.

    Frau aus Lichtfäden schaut nachdenklich auf ein Laborblatt mit leuchtendem Häkchen

    Ich verstehe, dass in einem kurzen Termin wenig Zeit bleibt. Das Medizinstudium ist für mich eben auf Symptom und Medikament ausgerichtet, über andere Wege lernt man dort wenig.

    Und auch wenn die Werte gut aussehen: Ein Laborwert ist kein Befinden, und du bist kein Blutwert.

    Ich kenne das auch von mir selbst. Ich habe L-Thyroxin ungefähr von 1997 oder 1998 bis 2007 genommen und war genauso erschöpft wie vorher, mit denselben Problemen. Ein spürbares Ergebnis hat es mir nicht gebracht. Wie es danach weiterging und warum ich es heute andersrum machen würde, erzähle ich im Artikel über die L-Thyroxin-Alternative.

    Dazu kommt etwas, das ich ständig sehe. Die Tablette ist ja nur ein paar Sekunden am Tag. Das nehmen ja alle, also ist es normal. Und weil alle anderen sich keine Gedanken machen, muss ich mir auch keine machen. Viele haben sich an ihr Leben so sehr gewöhnt, dass es normal ist, und ahnen gar nicht, wie viel besser es sein könnte.

    Ich sag’s, wie ich es sehe: Die meisten sind zu bequem, sich wirklich zu kümmern. Denn wer sich kümmert, muss Verantwortung übernehmen und etwas am eigenen Leben verändern. Und dieses Leben hat die Schieflage ja oft erst ausgelöst. Bei Medikamenten gilt für mich: Nicht wissen schützt nicht vor den Folgen. Willst du tablettenabhängig sein oder vorher lieber versuchen, einen Weg aus dem Dilemma zu finden? Was verlierst du?

    Ganz viel ließe sich in meinen Augen über Ernährung, Lebensweise und den Ausgleich von Mikronährstoffmängeln eindämmen oder verbessern. Das zeigt für mich die orthomolekulare Medizin. Ein Medikament kann kurz- bis mittelfristig helfen. Aber wenn du nicht weißt, worauf du dich damit einlässt, kannst du nicht die beste Entscheidung für deine langfristige Gesundheit treffen.

    Wenn du an deinem Fundament arbeiten willst, findest du im Ernährungsfundament die Schritte dafür. Oder wir schauen in der Vital-Analyse gemeinsam auf deine Situation.

    Häufige Fragen

    Was macht L-Thyroxin mit der Psyche?

    Bei zu viel Hormon sind Nervosität, innere Unruhe und Schlaflosigkeit typisch, so steht es auch in der Fachinformation. Bei zu wenig Hormon bleiben eher Antriebslosigkeit und eine gedrückte Stimmung. Eine eigene psychische Nebenwirkung der Tablette bei richtiger Dosis ist dort nicht beschrieben, und gezielt untersucht wurde das bisher kaum.

    Kann L-Thyroxin die Leber schädigen?

    In den Fachinformationen kommen Leberschäden nur in Tierversuchen mit sehr hohen Dosen vor, als Nebenwirkung beim Menschen stehen sie dort nicht. Die Leber ist aber einer der Orte, an denen T4 zu T3 umgewandelt wird. Mehr dazu im Artikel über Leber und Schilddrüse.

    Kann L-Thyroxin zu einem dicken Bauch führen?

    Als Nebenwirkung steht Gewichtszunahme nicht in der Fachinformation, dort steht eher Gewichtsabnahme bei zu hoher Dosis. Nimmst du trotz Tablette zu, ist das meist ein Zeichen, dass die Unterfunktion nicht ausgeglichen ist, oder es steckt etwas anderes dahinter. Ausführlich dazu: Machen Schilddrüsentabletten dick?

    Warum sollte man L-Thyroxin nicht nehmen?

    Bei einer echten Unterfunktion oder ohne Schilddrüse ist L-Thyroxin nötig, da gibt es nichts zu diskutieren. Kritisch sehe ich die Tablette bei einem nur leicht erhöhten TSH-Wert mit normalem fT4. Dort bringt sie laut einer internationalen Leitlinie im Schnitt keinen spürbaren Nutzen, und die Nebenwirkungen nimmst du trotzdem mit.

    Was passiert im Körper, wenn man L-Thyroxin nimmt?

    Die Tablette liefert T4, die Speicherform des Schilddrüsenhormons. Die Hirnanhangsdrüse merkt, dass genug da ist, und schickt weniger TSH, deine Schilddrüse fährt die eigene Produktion herunter. Wirken kann das Hormon erst, wenn der Körper aus T4 das aktive T3 macht.

    Macht L-Thyroxin Haarausfall?

    Haarausfall steht nicht als Nebenwirkung in den Fachinformationen. Er gehört eher zu den Zeichen einer Unterfunktion und hat oft noch andere Gründe. Ein häufiger Verdacht ist ein Eisenmangel, deshalb lohnt sich der Blick auf den Ferritin-Wert. Mehr dazu in meinem Artikel über Schilddrüse und Haarausfall.

    Wann sollte man L-Thyroxin absetzen?

    Das entscheidest du immer zusammen mit deinem Arzt. Nachfragen lohnt sich vor allem, wenn die Tablette wegen eines leicht erhöhten TSH-Werts begonnen wurde (Feldkamp 2024). Die Leitlinie der Hausärzte rät bei unklarem Grund für die Einnahme, ein kontrolliertes Absetzen zu erwägen. Wie so ein Weg aussehen kann, steht im Artikel über das Absetzen von Schilddrüsentabletten.

    Quellen

    • Alaeddin N et al. (2023). Over- and Undertreatment With Levothyroxine: Findings of the Population-Based Rhineland Study. Dtsch Arztebl Int 120:711-718. doi.org/10.3238/arztebl.m2023.0192
    • Bekkering GE et al. (2019). Thyroid hormones treatment for subclinical hypothyroidism: a clinical practice guideline. BMJ 365:l2006. doi.org/10.1136/bmj.l2006
    • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (2024). S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, AWMF-Register 053-046, Version 2.4. register.awmf.org
    • Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200, Sanofi-Aventis Deutschland, Stand Juni 2023. fachinfo.de
    • Fachinformation Levothyroxin Abdi 25 bis 200 Mikrogramm Tabletten, Abdi Farma, Stand Januar 2023. fachinfo.de
    • Feldkamp J (2024). Schilddrüsenerkrankungen: L-Thyroxin sinnvoll einsetzen. Dtsch Arztebl 121:A607-A610. aerzteblatt.de
    • Gullo D et al. (2011). Levothyroxine monotherapy cannot guarantee euthyroidism in all athyreotic patients. PLoS One 6:e22552. doi.org/10.1371/journal.pone.0022552
    • Thayakaran R et al. (2019). Thyroid replacement therapy, thyroid stimulating hormone concentrations, and long term health outcomes in patients with hypothyroidism: longitudinal study. BMJ 366:l4892. doi.org/10.1136/bmj.l4892
    • Thiyagarajan A et al. (2024). Trends in the use of thyroid diagnostics and treatments between 2008 and 2019 in Germany. Sci Rep 14:26710. doi.org/10.1038/s41598-024-77896-4

    Hinweis zur Einordnung

    Dieser Beitrag dient der Aufklärung und Orientierung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Therapie.

    Ein Teil der genannten Studien beschreibt Zusammenhänge. Ob dabei das eine das andere verursacht, lässt sich daraus allein nicht ablesen. Wo ich meine eigene Einschätzung oder Erfahrung wiedergebe, steht das ausdrücklich dabei.

    Zertifizierte Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit & Ernährungsmedizin, Mikronährstoff- und Darm-Expertin mit Schwerpunkt auf Hormonen und Leistungsfähigkeit, Kaiut Yoga Teacher

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