Mangelzustände im Überfluss

Das reichhaltige Angebot an Nahrungsmitteln ist ein wahrer Segen. Wir kennen Hunger und Unterernährung hierzulande nicht. Aber führt dies automatisch zu einer guten Versorgung mit allem, was der Körper braucht? Lesen Sie im Folgenden:

  • Kernaussagen der nationalen Verzehrstudie
  • Dosierungsobergrenzen von Vitalstoffen
  • Was bedeuten eigentlichen Dosierungsangaben auf Herstellerverpackungen?

Kernaussagen der nationalen Verzehrstudie

In 2008 wurde die zweite nationale Verzehrstudie (NVS II) veröffentlicht. Befragt wurden bundesweit 20.000 Personen im Alter von 14-80 Jahren. Die Ergebnisse waren bereits damals alarmierend. Seit 2015 läuft die NVS III bis Ende 2023. Die bevorstehenden Ergebnisse kann man sich lebhaft ausmalen!

Hier nur einige Kernaussagen der NVS II:

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen ist übergewichtig!

66% der Männer und 51% der Frauen sind übergewichtig. Jeder Fünfte ist adipös (fettleibig). Dies erhöht gesundheitliche Risiken.

Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen!

Hierfür wurden die vorgegebenen Werte der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zum Vergleich herangezogen. Diese Werte sind etlichen Fachleuten und Wissenschaftlern ohnehin schon zu niedrig angesetzt. Aber selbst in diesem Zusammenhang waren folgende Werte zu verzeichnen:

  • Unterversorgung mit Folsäure und mit den Vitaminen D, B1, B2, B12, C, E.
  • Unterversorgung mit den Mineralstoffen Magnesium, Calcium, Eisen, Jod und Zink.

Zu wenig Obst und Gemüse

59% essen zu wenig Obst und 87% essen zu wenig Gemüse. Zusätzlich ist die Ballaststoffzufuhr deutlich zu gering.

Die Problematik:

Mikronährstoffe werden für den reibungslosen Ablauf aller Körperfunktionen dringend benötigt. Sie werden benötigt für den Enzymstoffwechsel, die Abwehrleistung des Immunsystems, die Aktivierung von Hormonen, die Energieproduktion in den Körperzellen, den Informationsaustausch der Nervenzellen. Alle reden immer über die 3 Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett). Dabei benötigt der Körper zusätzlich 47 andere, essenzielle Stoffe für seine Gesundheit (Mikronährstoffe)! Mikronährstoffe werden nicht in erster Linie für das Immunsystem oder zum Gesundbleiben benötigt, sondern um Stoffwechselprozesse reibungslos zu gewährleisten.

Allein am Beispiel des Energie-Mikronährstoffwechsels sehen Sie in der Übersicht, wie viele Mikronährstoffe benötigt werden, um die jeweiligen Ausgangs- und Zwischenprodukte weiterverarbeiten zu können. Fehlt ein Stoff, so läuft die gesamte Abfolge nicht mehr richtig.

©Canva4Work/Vitalessenz

Und dies ist lediglich ein Beispiel des Energiestoffwechsels, welcher längst nicht der einzig relevante Vorgang im Körper ist!

Dosierungsobergrenzen von Mikronährstoffen

In vielen unabhängigen Studien wurde mehrfach gesichert getestet, dass eine erhöhte Zufuhr von Mikronährstoffen nicht schädlich ist. Natürlich sollte man Nahrungsergänzungsmittel mit Sinn und Verstand einsetzen, aber verwechseln Sie ein Nahrungsergänzungsmittel in Kapsel- oder Tablettenform niemals mit einem Medikament. Es ist Nahrung – genauer gesagt, sind es Nahrungsbestandteile. Natürlich sollten diese von hoher Qualität sein, was bei vielen Produkten aus dem Supermarkt und der Drogerie nicht gewährleistet ist, da in diesen häufig schlecht verfügbare anorganische Mineralstoffsalze verwendet werden.

Auch wenn immer wieder propagiert wird, dass gesunde Ernährung ausreicht, um sich mit lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen, so zeigt nicht nur die NVS II, dass das faktisch seltener der Fall ist als gedacht. Es gibt zusätzlich noch Einflussfaktoren wie Krankheit, erhöhter Verbrauch, Stress, Wechselwirkung mit Medikamenten, Qualität und Vitamingehalt der heutigen Lebensmittel, Umweltgifte und Schadstoffe. Dies alles hat Einfluss auf die individuellen Bedürfnisse.

Im Einzelfall hilft somit eine gesunde und vitalstoffhaltige Ernährung als Grundlage, auf der nach Messung diverser Mikronährstoffe eine individuelle Substitution von Nahrungsergänzungsmitteln Sinn machen kann.

Hier nur ein paar Beispiele der gesicherten Mengen (erster Wert) und der D-A-CH-Empfehlungen (zweiter Wert):

  • Vitamin C: 2000-6000 mg — 95-110 mg
  • Vitamin E: 100-200 mg — 11-15 mg
  • Magnesium: bis zu 1000 mg — 300-350 mg
  • Zink: 50-100 mg — 7-10 mg

Was bedeuten eigentlich Dosierungsangaben auf Herstellerverpackungen?

Sie finden auf den Herstellerverpackungen immer wieder den Wert RDA (recommended daily allowance) oder NRV, was die empfohlene Tagesdosis bedeutet. Auch wird darauf hingewiesen, dass die maximale Einnahmemenge nicht überschritten werden soll. Häufig richten sich die Angaben nach dem Vermeiden von Epidemien, Mangelerscheinungen und Mangelerkrankungen. Um überhaupt auf den Markt zu gelangen, müssen Firmen bestimmte Vorgaben einhalten und diese richten sich wiederum nach bestimmten Richtlinien.

In einer EU-Richtlinie wurde z.B. festgelegt, was dem jeweiligen EU-Bürger in dem jeweiligen Land finanziell zumutbar ist, um das Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Es geht nicht um die Wirkweise oder gesundheitliche Aspekte. Wenn Sie sich informieren, werden Sie feststellen, dass jedes Land unterschiedliche Dosierungsempfehlungen gibt.

Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass vom Mittel X eine Kapsel eingenommen werden soll – egal ob Sie 100 oder 60 kg wiegen, macht bereits deutlich, dass die Angaben nicht individuell sind und ggf. eine Wirkung gar nicht eintreten kann.

Quellen:

  • www.bmel.de – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed
  • efsa.europa.eu
  • www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
  • Gröber: Orthomolekulare Medizin, 2008
  • Burgerstein: Handbuch Nährstoffe, 2012